Der Tagesspiegel : Der starke Mann

Heinz Vietze, Vize-Chef der PDS-Landtagsfraktion, ist als Bundesgeschäftsführer im Gespräch

Michael Mara

Potsdam. Es ist eine dringende Warnung, die Heinz Vietze seinen Genossen am Dienstagmorgen ins Stammbuch schreibt: Es gebe in der PDS „einige“, die nach außen hin den Sonderparteitag ablehnten, ihn insgeheim aber „knallhart vorbereiten“. Alle verstehen, wen er meint: die Reformgegner in der PDS. Vietze warnte vor heftigen Auseinandersetzungen auf dem Parteitag, die Reformer müssten sich mit guten Personalangeboten und inhaltlichen Konzepten vorbereiten. Vietze, der keinesfalls nur in der Brandenburger PDS als Strippenzieher, „graue Eminenz“ und ausgebuffter Stratege gilt, ist in seinem Element.

Denn das kann der 56-Jährige: „die Linie“ vorgeben, selbst wenn sonst kaum noch eine erkennbar ist, wenn es in der Partei brodelt wie seit Jahren nicht, wenn in der PDS der Machtkampf um die Führung, um die Richtung tobt. Es hat in Brandenburg schon einige PDS-Vorsitzende gegeben, doch der starke Mann war immer Vietze: stellvertretender Vorsitzender der PDS-Landtagsfraktion, Wahlkampfleiter, engster Vertrauter von Lothar Bisky. Vietzes Netzwerk reicht weit in die Bundespartei hinein, wo er seit Jahren im Hintergrund agiert, wo man seinen Rat schätzt – ob die Vorsitzenden Gregor Gysi heißen oder wie jetzt Gabriele Zimmer.

Unmittelbar nach dem jüngsten Eklat im Bundesvorstand wegen dessen Weigerung, ein Reformpapier zu diskutieren, sprach Vietze stundenlang mit der Bundesvorsitzenden. Man darf davon ausgehen, dass dabei die Marschroute, nämlich die Neuwahl des Vorstandes, festgeklopft wurde: Kurz darauf forderte Brandenburgs Landeschef Ralf Christoffers – von Vietze ins Amt gebracht – als erster die Einberufung eines Sonderparteitages, um die Blockierer im Vorstand auszuschalten. Zimmer stimmte sofort in den Ruf ein – ein abgestimmter Coup.

Jetzt hat Lothar Bisky seiner Partei Vietze als Bundesgeschäftsführer empfohlen: „eine Idealbesetzung“. Dieser selbst wiegelt ab: Der Neuanfang, so stellte er am Dienstag in der Fraktion klar, müsse „mit neuen Kräften“ erfolgen. Eine Aussage, die er auf Bisky, aber auch auf sich selbst bezieht. Vietze will nicht Bundesgeschäftsführer werden. Er weiß, dass dies kein sonderlich glaubwürdiges Signal wäre, dass sofort wieder die Schlagzeilen vom Altkader aufgewärmt würden, vom Potsdamer SED-Chef, der im Oktober 1989 den Polizeieinsatz gegen Demonstranten steuerte, vom „Gesellschaftlichen Mitarbeiter“ der Stasi. Und doch – für „Notfälle“ – wenn sich für die Parteiführung nicht genügend Junge finden – schließt er nichts aus.

Vietze, lernfähig und pragmatisch, ist in diesen Tagen fast rund um die Uhr als Krisenmanager aktiv. Es gibt noch einen weiteren Grund, warum er lieber nicht in die Bundesspitze aufsteigen will: In Brandenburgs PDS muss demnächst der Generationswechsel vollzogen werden: Bisky will mit der Landtagswahl 2004 als Fraktionschef abtreten. Hinter den Kulissen bereitet Vietze schon die Kür des künftigen Spitzenkandidaten vor.

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