Der Tagesspiegel : Der Tagesspiegel

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Freiheitsentzug ist die höchste Strafe, die unser Rechtsstaat kennt. Einem Menschen wird verwehrt, sich dorthin zu begeben und sich aufzuhalten, wo immer er eben will. Außerdem kann eine Geldstrafe verhängt werden – andere Strafen gibt es im Prinzip nicht. Das hat überwiegend historische Gründe. Doch heute ist es uns möglich, das Strafsystem nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ weiter zu differenzieren. So wird über den Hausarrest als neue Art der Sanktion nachgedacht. Und auch Fahrverbote würden eine Beschränkung der Bewegungsfreiheit bedeuten – wenngleich bei weitem nicht so gravierend wie eine Haftstrafe. Und so richtig es ist, dass das Jugendstrafrecht schon heute einen ganzen Katalog von Maßregelungen kennt – die nicht so sehr strafen als erzieherisch wirken sollen –, so wenig ist einzusehen, Fahrverbote nicht auch gerade gegen Jugendliche zu verhängen. Knast macht niemanden zum besseren Menschen. Im Gegenteil: Junge Menschen werden oft gerade erst dort verdorben. Andererseits gelten Auto, Autofahren und Führerschein Jugendlichen – besonders den männlichen – als besonders wichtige Statussymbole: Wer den Führerschein geschafft hat, dem ist der Sprung in die Welt der „Erwachsenen“ gelungen. Fahrverbote dürften Jugendliche deshalb empfindlich treffen. Warum sollte man also diese Sanktion nicht einführen und – wenn sie sich bewährt – nicht ins allgemeine Strafrecht übernehmen? Dies würde übrigens keineswegs bedeuten, Heranwachsende als Versuchsobjekte zu missbrauchen. Jede andere Lösung als sie wegzusperren ist besser. Holger Wild

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