Der Tagesspiegel : Der Tagesspiegel

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Politik ist auch, was auf den Fluren des Landtags getuschelt wird. Jeden Sonntag bringt der Tagesspiegel deshalb einen Blick hinter die Kulissen von Brandenburg.

Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber machte auf seiner Wahlkampftour erstmals in Brandenburg Station. Über die Dramaturgie waren Landeschef Jörg Schönbohm, aber auch Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß allerdings nicht glücklich: Die Stippvisite im CDU-regierten Musterstädtchen Werder etwa sei „typischer West-Wahlkampf.“ Der Versuch, Stoiber mit ostdeutschen Schwierigkeiten zu konfrontieren, etwa durch einen Auftritt in der Halle des Cargolifters, war gescheitert - am Veto des Stoiber-Teams. Der Kanzlerkandidat selbst wusste davon offenbar nichts: Die Brandenburger CDU, erklärte er, habe ihm wohl „die Schokoladenseite“ zeigen wollen.

Kopfschütteln löste der Regierungschef auch aus, weil er während der Kreisreise wie ein Landesfürst eine Familie beglückte: Die hatte sich in der Staatskanzlei beklagt, dass ihre Tochter auf dem Schulweg ein ungesichertes Eisenbahngleis passieren müsse. Platzeck hielt vor der Tür und überbrachte die Nachricht persönlich: Es werde eine Brücke gebaut, um die Gefahr zu beseitigen.

Auch sonst scheint manches nach dem Stabwechsel in der Regierung noch nicht eingespielt: So gab es nach dem verheerenden Unwetter in Brandenburg keine Trauerbeflaggung zum Gedenken an die sieben Todesopfer - anders als in Berlin. Die merkwürdige Begründung aus der Staatskanzlei: Platzeck und Schönbohm hätten mit ihrer Beleidsbekundung das Nötige erklärt.

Er gilt als Ökologie-Fan. Pech nur, dass Agrar- und Umweltminister Wolfgang Birthler ausgerechnet im eigenen Garten an die Grenzen seiner Philosophie stößt. Der Grund ist eine Nacktschnecken-Invasion. Doch seine Versuche, das Getier zu bekämpfen, blieben erfolglos: Zwar hat sich Birthler „Laufenten“ angeschafft, die Schnecken vertilgen. „Aber sie schaffen es nicht.“ Also hat der Minister an einem Abend zweihundert Schnecken gesammelt und in Bier-Fallen ertränkt. Warum greift er nicht zur Chemie ? Birthler: „Ich bin Umweltminister.“ ma/thm

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