Der Tagesspiegel : Der Tagesspiegel

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Politik ist auch, was auf den Fluren des Landtags getuschelt wird. Jeden Sonntag bringt der Tagesspiegel deshalb einen Blick hinter die Kulissen von Brandenburg.

Keine Schonfrist für den noch „jungfräulichen“ Regierungschef Matthias Platzeck: Erst Schelters Rücktritt, jetzt das von dem Ex-Minister angestrengte Disziplinarverfahren gegen seinen eigenen Staatskanzlei-Chef und Freund Rainer Speer. Und dann auch noch der wachsende Druck aus der Partei, „frische Leute“ ins Kabinett zu holen. Vize-SPD-Landeschefin Katrin Molkentin widersprach Platzecks Äußerung im Tagesspiegel-Interview, dass die SPD-Minister gute Arbeit leisteten, also keine Notwendigkeit bestehe, sie abzulösen. Als sie Platzecks Warnung vor einem „Jugendwahn“ gelesen habe, sei ihr „fast die Zeitung aus der Hand gefallen“. Da sich die jungen Wähler bei CDU und PDS besser aufgehoben fühlten, seien solche Worte völlig deplatziert. Auch die Juso-Chefin Anja Spiegel rüffelte Platzeck: Es müssten junge frische Leute, vor allem mehr SPD-Frauen ins Kabinett.

Trotz aller Sorgen fand Platzeck vergangene Woche noch Zeit, in die Weiße Villa „Wunderkind“ von Wolfgang Joop am Heiligen See zu eilen - zu einem Interview. Der Interviewer war der Modedesigner höchstpersönlich. Für ein neues STERN-Projekt befragt Joop Prominente über ihre Kindheit. Platzeck, mit dem er gut bekannt ist, war Joops Wunschkandidat für das erste Interview. Bei Pflaumenkuchen und Milchkaffee verriet der Regierungschef, dass er eigentlich Kosmonaut werden wollte und mit zehn Jahren „noch keine Augen für Mädels“ hatte - was sich aber sehr bald ändern sollte.

Brandenburg hat nicht nur eine neue Autobahnpolizei, sondern seit einigen Tagen auch neue Begrüßungsschilder an den Autobahnen. Mag es noch so regnen: Sie zeigen einen azurblauen Himmel, eine nette Schäfchenwolke, und in großen Lettern ist darauf zu lesen: „Brandenburg - Neue Perspektiven entdecken“. Dazu noch die Internetadresse des Landes. Merkwürdig, die neuen Willkommens-Schilder werden zwar an den Landesgrenzen zu Sachsen-Anhalt, zu Mecklenburg-Vorpommern und zu Sachsen aufgestellt - aber nicht an der Berliner Stadtgrenze. Ein Affront, zumal Bauminister Hartmut Meyer mit seinen Berliner Amtskollegen häufig im Clinch liegt? Die Schilder, so heißt es, würden an der Grenze zu Berlin bewusst nicht aufgestellt, da man schon von einer gemeinsamen Region Berlin-Brandenburg ausgehe und die überholte Landesgrenze nicht noch betonen wolle. ma/thm

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