Der Tagesspiegel : „Der technologische Vorsprung ist noch da“ Communicant-Vorstand Abbas Ourmazd zur Chipfabrik

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Die EUKommission hat letzte Woche die Fördermittel für die Chipfabrik bewilligt. Was kann das Projekt noch gefährden?

Brüssel war ein wichtiger Meilenstein. Das ist jetzt abgehakt. Aber es liegen noch weitere Meilensteine vor uns. Bei einem Projekt dieser Größenordnung ist das ganz normal. Jedes Unternehmen hat seine Risiken. Aber ich bin guten Mutes, dass wir sie meistern können.

Communicant versucht seit eineinhalb Jahren, die Gesamtfinanzierung zu sichern. Noch ist das benötigte Fremdkapital nicht vorhanden. Warum zögern Banken und Investoren?

Zur Klarstellung: Die Finanzierung steht auf drei Säulen. Das Eigenkapital ist Ende Mai vertraglich sichergestellt worden. Das hat länger gedauert als geplant. Die staatliche Förderung von Bund und Land ist jetzt durch Brüssel genehmigt worden. An der Fremdfinanzierung arbeiten wir.

Bis wann muss die Gesamtfinanzierung stehen, damit 2004 mit der Produktion begonnen werden kann?

Ich setze keine Termine in die Welt. Die Commerzbank und die Gulf International Bank B.S.C. halten es für realistisch, dass die Fremdfinanzierung früh genug steht und die Produktion termingerecht beginnen kann.

Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß hat von Anbeginn vor einem Zeitverzug gewarnt, um den Technologie-Vorsprung nicht zu verlieren. Der Zeitverzug beträgt inzwischen rund ein Jahr. Ist der Technologie-Vorsprung überhaupt noch vorhanden?

Ja. Wenn wir als Communicant gemeinsam mit unserem Technologiepartner IHP in der Zwischenzeit nichts unternommen hätten, wäre der Technologievorsprung schon verloren gegangen. Die Technologie wird am Frankfurter IHP ständig weiterentwickelt. Sie ist konkurrenzfähig, sowohl von ihrer Leistungsfähigkeit her wie auch von den Produktionskosten. Objektive Vergleiche bestätigen, dass der Vorsprung noch vorhanden ist. Auch die EU hat die Wettbewerbsfähigkeit geprüft und bestätigt.

Der Halbleitermarkt befindet sich in einer Krise. Sind nach der Produktionsaufnahme 2004 Absatzschwierigkeiten zu befürchten?

Auch das hat Brüssel sorgfältig untersucht. Es sind keine Überkapazitäten zu befürchten. Natürlich ist der Halbleitermarkt zyklisch. Aber wir sind davon nicht besonders betroffen, weil wir erst 2004 mit der Produktion beginnen. Die Analysten gehen davon aus, dass sich der Markt bis dahin erholt.

Sie sind von Hause aus Wissenschaftler, waren Leiter des IHP und haben kürzlich den Vorstandsvorsitz der Communicant übernommen. War das eine Notlösung weil man keinen Top-Manager gefunden hat?

Da bin ich befangen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass ich 25 Jahre Industrieerfahrung, auch in Managementfunktionen großer Technologie-Unternehmen habe.

Welche Schwierigkeiten müssen noch überwunden werden, damit das Projekt Erfolg hat?

Es gibt drei Prioritäten: Erstens die Weiterentwicklung der Technologie. Zweitens die Gewinnung von Kunden, denn wir produzieren ja als so genannte Foundry im Auftrag für Dritte. Schließlich der zügige Bau der Fabrik. Das sind unsere Herausforderungen.

Wie sind die internationalen Reaktionen auf die Chipfabrik in Frankfurt (Oder)?

Das Echo ist nach wie vor sehr stark, es gibt große Aufmerksamkeit. Das hat verschiedene Gründe: Wir sind, wie schon gesagt, eine Foundry. Das gibt es bisher zwischen Seattle und Singapur nicht. Außerdem kombinieren wir zwei außerordentlich leistungsfähige Technologien, die von Intel und die des Frankfurt IHP. Diese Verschmelzung hat in der Branche für Aufsehen gesorgt. Hinzu kommt, dass die Technologie in Ostdeutschland entwickelt wurde. Deshalb ist das Projekt auch politisch gesehen sehr wichtig: Es wird auch international registriert, dass die Chipfabrik derzeit das größte Investitionsprojekt in den neuen Bundesländern ist.

Das Interview führte Michael Mara.

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