Der Tagesspiegel : Der Weihnachtsmann kennt acht Sprachen

Claus-Dieter Steyer

Das Weihnachtspostamt Himmelpfort an der nördlichen Brandenburger Landesgrenze steuert auf einen Rekord zu. Mehr als 210 000 Briefe und Karten aus aller Welt sind seit der diesjährigen Eröffnung Ende November eingetroffen und zum größten Teil beantwortet worden - 30 000 mehr als beim vergangenen Weihnachtsfest. Die Briefe stammen nicht nur aus ganz Deutschland und Europa. Auch Kinder aus China, Malaysia, Vietnam, Mexiko, Indien, Argentinien, Kenia und vielen anderen Ländern kennen die Adresse. Die Weihnachtsmann antwortet auf die Wunschzettel in acht Sprachen. Jedes Kind erhält garantiert eine Nachricht, versicherte die Deutsche Post. Das ist selbst dann der Fall, wenn die Briefe erst nach den Weihnachtstagen in Himmelpfort eintreffen. Und auch wer es bisher versäumte, das Bild und den Wunschzettel der Kinder rechtzeitig in den Briefkasten zu stecken, kann den Haussegen vor dem Fest noch retten. Denn heute und morgen öffnet das Weihnachtspostamt von 13 bis 15.30 Uhr und am 24. Dezember von 8.30 bis 11.30 Uhr. Da nimmt der Mann mit dem Rauschebart und dem roten Mantel die Briefe persönlich in Empfang. Seine fleißigen Helferinnen haben versprochen, diese Post sofort zu beantworten. Der Ausflug nach Himmelpfort kann mit dem Besuch einer kleinen Weihnachtsausstellung und der Klosterkirche verbunden werden.

Auf den Wunschzetteln stehen nach Auskunft der Post in diesem Jahr nicht nur Puppen, Computer, ferngesteuerte Autos oder Bücher. Das häufigste Wort laute "Frieden", die Sorge darum äußere sich in vielen Bildern. Auch Probleme in den Familien wie Scheidung der Eltern, Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Unfälle spiegelten sich in den Briefen wieder.

Begonnen hatte die Geschichte des Weihnachtspostamtes 1984, als in der kleinen Poststelle zwei Briefe aus Berlin und Sachsen mit der Aufschrift "An den Weihnachtsmann" eintrafen. Die damalige Angestellte wollte die beiden Sendungen erst mit dem Vermerk "Empfänger unbekannt" zurückschicken, schrieb dann aber kurzerhand selbst einige Zeilen an die Absender. Mit der Zeit sprach sich der Service herum. Jährlich 75 Briefe mit Wunschzetteln gelangten nach Himmelpfort. 1990 war es mit der Idylle vorbei. Medien machten die Geschichte im ganzen Land bekannt, so dass das kleine Brandenburger Dorf zum größten von insgesamt fünf "Wunschzettel-Umschlagplätzen" der Deutschen Post wurde.

Die Adresse lautet: Weihnachtsmann, Weihnachtspostfiliale, 16798 Himmelpfort.

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