Der Tagesspiegel : Der Wolf ist los – das Land zahlt

Betreiber von Wildgehegen können Beihilfen für verstärkte Zäune beantragen Schafhirten werden spezielle Hütehunde aus Italien finanziert

Claus-Dieter Steyer

Beeskow - Betreiber von Wildgehegen in Brandenburg können jetzt Anträge auf eine finanzielle Unterstützung für den Schutz vor Wölfen stellen. Bis zu drei Viertel aller Kosten, die beim Bau von sicheren Zäunen entstehen, könnten dem Staat in Rechnung gestellt werden, sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude. Halter von Nutztieren wie Schafen oder Hühnern erhalten bei Verlusten durch Wölfe eine Entschädigung.

„Die normalen Zäune um die Wildtiergehege werden von Wölfen schlichtweg unterbuddelt“, sagte Freude. „Deshalb müssen die Gitter mindestens 40 Zentimeter tief in den Boden reichen. Nur dann bieten sie Sicherheit.“ Die Tierhalter müssten nur einen Antrag auf Beihilfe stellen. Die entsprechende EU-Richtlinie würde einen staatlichen Zuschuss von 45 Prozent der Baukosten vorsehen. „Wir können aber auch mehr zahlen.“ Damit reagiert Brandenburg nicht zuletzt auf die vielen kontrovers geführten Debatten über die Wiederkehr der Wölfe nach Deutschland und die Angst der Menschen. Da die Tiere unter Naturschutz stehen – Verstöße können mit einer Geldbuße von 10 000 bis 50 000 Euro geahndet werden –, ist Prävention also das Mittel der Wahl.

Allerdings schätzt der Chef des Landesumweltamtes die Gefahren für die Tiere in Wildgattern als gering ein. „Es besteht kein Grund für die Wölfe, ausgerechnet Damwild anzugreifen“, meint er. „Das Nahrungsangebot in Brandenburgs Wäldern ist so groß wie lange nicht. Da finden die Wölfe genügend Beute.“

Dennoch hat sich Freude bereits beim größten Brandenburger Wildgehege auf Gut Hirschaue bei Beeskow umgesehen. Hier leben rund 1000 Damtiere, Rothirsche und Wildschweine hinter einem 16 Kilometer langen Zaun. Neue Zäune um die insgesamt 100 Hektar große Anlage, zu der eine Wildfleischproduktion, eine Gaststätte und ein Hofladen gehören, würden rund 125 000 Euro kosten.

Unweit des Guts Hirschaue, in der Lieberoser Heide, lebt bereits ein vierköpfiges Wolfsrudel, wie Freude sagt. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz gefundene Kotproben ließen keine Zweifel zu. Die Tiere stammen höchstwahrscheinlich von der starken Wolfspopulation in der Lausitz an der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen ab. Die Suche nach einem neuen Revier lässt den Nachwuchs in immer neuen Gegenden heimisch werden. Selbst im Schlaubetal bei Müllrose, einem beliebten Ausflugsgebiet nordöstlich von Hirschaue, sollen nach Berichten der örtlichen Presse schon einzelne Exemplare gesichtet worden sein. Außerdem gibt es Nachweise für das Vorkommen von Wölfen in freier Wildbahn in der Zschornoer Heide bei Döbern in Südostbrandenburg und in der Schorfheide nördlich Berlins. Einzelne Tiere durchstreifen aber auch andere Gegenden. Und regelmäßig schwimmen Wölfe durch die Oder von Ost nach West.

Auch Schafhirten versucht das Land mittlerweile die Furcht vor Verlusten durch Wölfe zu nehmen: Das Agrarministerium übernimmt die Anschaffungskosten für Hütehunde aus Italien, die keine Scheu vor Wölfen haben und kräftig genug sind, sich gegen diese zur Wehr zu setzen. „So einen Hund greift kein Wolf an“, sagt Freude.

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