Der Tagesspiegel : Der zögernde Mäzen

Um das Riesenrad zu verhindern, braucht das Technikmuseum Geld. Doch sein Spender erbat Aufschub

Klaus Kurpjuweit

Im Deutschen Technikmuseum am Gleisdreieck geht das Zittern weiter. Im ersten Anlauf hat Museumschef Dirk Böndel den Versuch verhindert, am Museumsgelände ein Riesenrad aufzubauen. Doch nun gerät die Abwehrstrategie ins Wanken. Um das Riesenrad zu stoppen, will das Museum das für den Bau vorgesehene Gelände kaufen – mit dem Geld eines Mäzens. Das Geld, immerhin 5,5 Millionen Euro, sollte im Sommer eintreffen. Doch jetzt hat der Spender hat um Aufschub gebeten – und das Bangen geht weiter.

Der englische Unternehmer Glenn Lacey, dessen Identität weder das Museum noch die Senatskulturverwaltung bisher offiziell bestätigt haben, strukturiere derzeit seine Firma um, wozu er auch Geld brauche, sagte der Sprecher der Kulturverwaltung, Torsten Wöhlert. Lacey hat unter anderem ein elektronisches Prüfsystem für Kabel in Flugzeugen entwickelt. Beim Zahlungstermin sei man flexibel, so Wöhlert. „Bis zum Jahresende brauchen wir uns keine Sorgen zu machen“, gibt er sich überzeugt. Auch die Sprecherin des Museums, Ulrike Andres, verbreitet nach außen Optimismus: Der Mäzen werde zu seiner Zusage stehen, sagte sie. Außerdem sei auch der Rahmenvertrag für das Gesamtgelände am Gleisdreieck noch nicht unterzeichnet. Intern nehmen aber die Sorgen im Museum zu. Schon lange hatte „ein Mäzen“ nach Angaben von Böndel dem Museum testamentarisch insgesamt zehn Millionen Pfund (rund 14,5 Millionen Euro) vermacht. Wenn dieses Geld aus England nicht kommen sollte, könnte das Technikmuseum das Riesenrad nicht aus eigener Kraft verhindern – falls es für dessen Bau wirklich potente Geldgeber geben sollte. Einen festen Finanzierungsplan gibt es auch für den Riesenrad-Bau bisher nicht.

Museumschef Böndel befürchtet, dass das Konzept des Hauses zu einem Rummel verkomme, wenn sich neben dem Gelände ein Riesenrad drehen sollte. Ähnlicher Ansicht war Glenn Lacey, dessen Herz schon lange für das Berliner Museum schlägt. Dem Flugzeugliebhaber hat es besonders die Luftfahrtsammlung des Technikmuseums angetan, die im Frühjahr eröffnet hat. Selbst zu dieser Feier war Lacey aber nicht erschienen. Der Unternehmer hat keine Kinder. Seine Frau spende meist für Tiere, heißt es im Museum. Lacey selbst sammelt alte Flugzeuge und steuert sie auch selbst. Sogar einen eigenen Flughafen besitzt er. Den Kontakt zum Berliner Museum hat der Leiter von dessen Luftfahrtabteilung, Holger Steinle, hergestellt, der seit Jahren auf der Suche nach verschollenen Maschinen durch die Welt reist. Als der Mäzen von den Riesenrad-Plänen hörte, bot er an, sofort einen Teil der zugesagten Spende herauszurücken, um das Grundstück kaufen zu können, das das Museum benötigt, um seine Anlagen wie geplant erweitern zu können. Dann gäbe es dort auch keinen Platz mehr für das aus Museumssicht ungeliebte Riesenrad.

Doch auch damals zögerte Lacey mit der Unterschrift unter dem Vertrag mit der Senatskulturverwaltung, die formell als Käufer des Grundstücks auftreten muss. Erst mussten noch erhebliche Bedenken des Mäzens ausgeräumt werden. Lacey wollte nämlich sicher sein, dass der Senat das Geld nur für den Grundstückskauf verwendet. Denn auch in England hat sich die prekäre Finanzsituation Berlins herumgesprochen, die den Senat immer wieder verleitet, mit umgeschichtetem Geld Haushaltslöcher zu stopfen. Erst Anfang April war der Vertrag dann unterzeichnet worden.

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