Desertiert : Kubanische Star-Boxer in Brasilien festgenommen

Vor zwei Wochen hatten sie sich bei den Panamerikanischen Spielen in Rio abgesetzt. Jetzt sind die kubanischen Boxer Guillermo Rigondeaux und Erislandy Lara festgenommen worden. Kubas Staatschef macht eine "deutsche Mafia" für das Verschwinden der beiden verantwortlich.

Rio de JaneiroGuillermo Rigondeaux (25) und Erislandy Lara (24) sind offenbar gestern Abend in der Gemeinde Araruama im Nordwesten des Bundesstaates Rio de Janeiro am Strand dingfest gemacht worden. Das berichteten Medien in Rio unter Berufung auf die Polizei. Die beiden Kubaner waren seit dem 21. Juli verschwunden und sollen Verträge mit dem deutschen Boxstall Arena Box Promotion unterzeichnet haben.

Die Polizei teilte unterdessen mit, das Aufenthaltsvisum der beiden Sportler für Brasilien sei mit dem Ende der Panamerikanischen Spiele am 29. Juli abgelaufen. Das Justizministerium in Brasilia erklärte, die Kubaner hätten keinen Asylantrag gestellt. Ihre Situation sei deshalb einzig und allein Polizeisache, hieß es.

Castro spricht von "deutscher Mafia"

Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro hatte nach dem Verschwinden der beiden Boxer eine "deutsche Mafia" angeprangert, die "sich der Auswahl, des Kaufes und der Förderung kubanischer Boxer bei internationalen Turnieren" widme. Sie benutze "raffinierte psychologische Methoden" und "viele Millionen Dollar", kritisierte er.

Wenige Tage später bestätigte Arena Box Promotion, dass Rigondeaux, Doppel-Olympiasieger im Bantamgewicht, und Lara, Weltmeister im Weltergewicht, Verträge über fünf Jahre mit der Hamburger Gruppe des türkisch-deutschen Unternehmers Ahmet Öner unterschrieben hätten.

Vor allem Rigondeaux' Flucht war ein schwerer Schlag für Kubas Sportwelt. Der Boxsport ist eines der Aushängeschilder des Landes. Und Rigondeaux war der große Star der gesamten Delegation in Rio. Er gewann zwischen 1999 und 2003 142 Kämpfe in Folge. Er war der letzte große Boxer seiner Generation auf der sozialistischen Karibikinsel.

Bereits im Dezember 2006 hatten drei andere Box-Topstars - Yan Barthelemy, Yuriorkis Gamboa und Odlanier Solís - bei einem Turnier in Caracas/Venezuela den Entschluss gefasst, nicht nach Hause zurückzukehren. Sie sind nun in Deutschland aktiv. Kuba hat damit keinen aktiven Olympiasieger mehr, der auf der Insel geblieben ist. (mit dpa)