Deutsche Bahn : Nahverkehr drohen Kürzungen

Dem Nahverkehr auf der Schiene drohen im nächsten Jahr weitere Einschränkungen. Nachdem die Bahn angekündigt hat, die sogenannten Trassenpreise um 3,8 Prozent zu erhöhen, schließt der Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), weitere Kürzungen im Angebot nicht aus.

Klaus Kurpjuweit

Potsdam/Berlin - Allein in Brandenburg und Berlin werde der Nahverkehr auf der Schiene nach dem Preissprung bei der Bahn um 9,3 Millionen Euro teurer. VBB-Chef Hans-Werner Franz hat jetzt in einem Brief die Bundestagsabgeordneten aus der Region aufgefordert, den „Selbstbedienungsladen“ der Bahn zu verhindern.

Der Bereich Netz der Bahn verlangt für das Befahren der Gleise Gebühren von den Nutzern, Trassenpreise genannt. Sie sind in Brandenburg bereits jetzt vergleichsweise hoch. Mittelfristig will die Bahn aus den Gebühren im Bereich Netz nach Tagesspiegel-Informationen einen Gewinn in Höhe von 600 Millionen Euro herausholen, der dann die Bilanz des Konzerns, der immer noch an die Börse strebt, verschönern soll.

Für Franz ist dies ein „völlig irres System“. Volkswirtschaftlich würde es reichen, den Bereich Netz ohne Verlust zu führen; ein Gewinn müsse nicht erwirtschaftet werden. Deshalb ist der VBB- Chef auch dafür, den Netzbereich nicht beim Bahnkonzern zu lassen, sondern unter staatlicher Regie zu führen. Dann könnten die Trassenpreise gesenkt und fürs gleiche Geld mehr Verkehr auf der Schiene bestellt werden.

Kürzungen bei den Zuschüssen für den Nahverkehr haben bereits in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Brandenburg Stecken stillgelegt hat und auf anderen weniger Züge fahren lässt. Berlin dagegen hat die Kürzungen des Bundes voll aus der Landeskasse ausgeglichen. Auch jetzt befürchtet Franz, dass Brandenburg die höheren Trassenpreise nicht übernimmt, sondern erneut durch Kürzungen im Nahverkehr ausgleichen wird.

Die Arbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr weist darauf hin, dass die höheren Gebühren vor allem den Nahverkehr belasten, der zu großen Teilen von den Ländern finanziert wird. Günstiger komme dagegen der Fernverkehr weg, der unter Regie des Bahnkonzerns betrieben wird. Klaus Kurpjuweit

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