Deutsche Bahn : Schaffner wirft 13-jähriges Mädchen aus dem Zug

Die Mitarbeiter der Deutschen Bahn kennen kein Erbarmen: Schon wieder hat ein Schaffner ein Mädchen mitten auf der Strecke vor die Tür gesetzt. Sie hatte weder Geld noch ein Handy bei sich. Ihr Heimatort war 42 Kilometer entfernt.

Wittstock/Berlin Erneut ist ein Kind aus einem Zug geworfen worden, weil es keinen Fahrschein hatte. Ein Schaffner habe die 13-Jährige am Mittwoch in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) zum Verlassen des Zuges gezwungen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Freitag. Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Märkischen Allgemeinen". Die Schülerin war auf dem Rückweg von der Schule von Heiligengrabe nach Neuruppin und hatte ihre Geldbörse samt Schülerausweis vergessen.

Sie habe dem Schaffner unter Tränen versichert, dass sie weder über ein Handy noch Geld verfüge, um ihre Mutter zu benachrichtigen. Der Mann habe sich auch nicht dadurch erweichen lassen, dass die 13-Jährige keine Verwandte in Wittstock hat. Zudem habe der Bahnbedienstete die Bitte ignoriert, mit seinem Diensthandy die Mutter des Mädchens anzurufen, damit diese in Neuruppin die geforderte Gebühr von 40 Euro bezahlen könne. "Er hat meiner Tochter erklärt, dass dies ein Diensthandy sei und ihm keiner die Gesprächskosten ersetze", so die Mutter. Das Mädchen sei schließlich mit Hilfe eines Taxifahrers ins 42 Kilometer entfernte Neuruppin gekommen.

In aller Form entschuldigt

Eine erste Prüfung bestätigte laut Bahn-Sprecher im Wesentlichen den Sachverhalt. Das Unternehmen habe daraufhin umgehend Kontakt mit der Familie des Mädchens aufgenommen und sich "in aller Form entschuldigt". Diese habe die Entschuldigung angenommen. Der Schaffner sei vorläufig "aus dem Dienst genommen" worden und müsse mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen. Es gebe die klare Regelung, dass Minderjährige unter keinen Umständen aus dem Zug gewiesen werden dürfen, betonte der Sprecher. Der Vorfall werde jetzt gründlich untersucht.

Er ist vor dem Hintergrund eines ähnlichen Zwischenfalls in Mecklenburg-Vorpommern besonders brisant. Dort hatte eine Zugbegleiterin ein zwölfjähriges Mädchen im Oktober in Parkentin (Kreis Bad Doberan) in der Dunkelheit aus dem Zug gesetzt, weil es sein Portemonnaie samt Fahrkarte vergessen hatte. Es war auf dem Weg nach Rostock zum Musikunterricht. Das Kind musste mit seinem schweren Cello fünf Kilometer nach Hause laufen. Auch hier hat sich inzwischen die Bahn bei der Familie entschuldigt. (sgo/dpa/ddp)

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