Deutsche Bank : Ein Greenspan fürs Investmentbanking

Mit der Verpflichtung von Alan Greenspan als Berater hat die Deutsche Bank einen Coup gelandet. Er soll vor allem das Image im Investmentbanking voranbringen und US-Kunden überzeugen.

Marion Trimborn[dpa]
Alan Greenspan
Alan Greenspan. -Foto: AFP

Frankfurt/MainDer Name könnte prominenter nicht sein. Mit dem ehemaligen US-Notenbankchef Alan Greenspan hat die Deutsche Bank eine Legende der Finanzwelt als Berater unter Vertrag genommen, die lange Zeit als "Zinspapst" und "Guru der Geldpolitik" gefeiert wurde. Der Überraschungscoup stärkt das Image der Bank und liefert positive Schlagzeilen. Die kommen zur rechten Zeit, denn trotz glänzender Zahlen und dem verstärkten Werben um die lange vernachlässigten Privatkunden will die Kritik in der Heimat einfach nicht verstummen. "Sozialdumping" und Vernachlässigung des Heimatmarktes werfen Kritiker der größten deutschen Bank immer wieder vor.

Die Bank unterstreicht mit dem Star-Berater Greenspan ihren globalen Anspruch im Investmentbanking, das die Beratung bei Börsengängen, die Durchführung von Übernahmen und den Wertpapierhandel umfasst. Die Verpflichtung Greenspans stärkt nach Ansicht von Beobachtern das Renommee der Bank. "Die Botschaft an die Öffentlichkeit lautet: Seht her, die Deutsche Bank ist Manns genug, den berühmten Greenspan zu verpflichten", erklärt der ehemalige Vorsitzende des Gesamtverbandes der Werbeagenturen (GWA), Lothar Leonhard, den Effekt. Immerhin hätten bei Greenspan seit dessen Ausscheiden aus dem Amt als Chef der mächtigsten Notenbank viele Banken aus der ganzen Welt Schlange gestanden.

Mit dem Schritt ist das Geldinstitut nach Ansicht von Ökonomen als "Global Player" angekommen. "Die Bank positioniert sich und hat Zugang zu den Netzwerken Greenspans und damit zu den Top-Bankern der Welt", sagt der Präsident der HfB - Business School of Finance & Management, Udo Steffens. Insbesondere in den USA - dem mit Abstand größten Markt für Investmentbanking in der Welt - könnte die Bank damit neue Kunden gewinnen. Dort liegt die Deutsche Bank in vielen Feldern noch deutlich hinter dem amerikanischen Branchenführer Goldman Sachs zurück.

Vertrauen bei US-Kunden gewinnen

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann lässt deshalb im Investmentbanking die Betreuung sowie spezielle Produktbereiche für die USA ausdehnen. "Der Vertrag mit Greenspan ist eine gelungene Marketingmaßnahme, die vor allem bei den US-Kunden Vertrauen wecken wird", sagt Bankenexperte Wolfgang Gerke. Dennoch dürfe die Person nicht überschätzt werden, immerhin handle es sich bei dem 81-Jährigen um einen Notenbanker im Ruhestand: "Greenspan hat nicht mehr den Einfluss und die Bedeutung wie zu seiner Amtszeit."

Um hochkarätige Kunden zu gewinnen, wird im Investmentbanking einiges geboten. Für eine exklusive Party in Barcelona ließ die Deutsche Bank spanischen Medienberichten zufolge die Rolling Stones aufspielen und zahlte für die Veranstaltung rund vier Millionen Euro. "Das Investmentbanking ist sehr wettbewerbsintensiv. Wenn wir da einen prominenten Berater zur Verfügung stellen können, ist das etwas ganz Besonderes", sagt ein Bankensprecher.

Aufspaltung kommt nicht in Frage

Das ertragsstarke, aber auch risikoreiche Investmentbanking hat für die Deutsche Bank besondere Bedeutung. Das Geldinstitut stieg unter Ackermann in den vergangenen Jahren zu einem global tätigen Investmenthaus auf und erhielt dafür internationale Auszeichnungen. Drei Viertel des Gewinns, der sich im ersten Halbjahr auf den Rekord von 3,9 Milliarden Euro belief, stammen aus dieser Quelle. Ein möglicher Umzug in die Finanzmetropole London, dem Sitz des Investmentbankings, sorgt immer wieder für Unruhe. "Aus Deutschland heraus wollen wir eine globale Bank führen", hält Ackermann entgegen. Eine Aufspaltung des Instituts in eine erfolgreiche Investmentbank und eine Privatkundenbank komme nicht in Frage.

Das glänzende Geschäft im Investmentbereich macht das mäßige Abschneiden im Privatkundenbereich wett. Im Heimatland hat die Deutsche Bank durch einen massiven Stellenabbau und wenig sensible Äußerungen ihr Ansehen in den vergangenen Jahren ramponiert. Die Versuche, Dresdner Bank und Postbank zu übernehmen, scheiterten. Erst mit dem Kauf von Berliner Bank und Norisbank ist das Privatkundengeschäft wieder wichtiger geworden. "Diese Sparte hat die Deutsche Bank viele Jahre lang verschlafen, aber nun holt sie auf", sagt HfB-Experte Steffens.