Deutsche Bankenlandschaft : Die Krise als Chance nutzen

Es wurde viel Porzellan zerschlagen im Zuge der Krise an den internationalen Finanzmärkten. Deutschlands Banker und Politiker sorgen sich um das Ansehen der hiesigen Geldhäuser und mahnen zur Eile beim überfälligen Umbau der Branche.

Steinbrück
Sieht den Ruf der deutschen Banken in Gefahr: Peer Steinbrück. -Foto: dpa

Frankfurt/MainFührende Banker und Politiker sehen die Finanzkrise als Chance zu einer grundlegenden Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft. "Die Zeit sollte jetzt genutzt werden, um mindestens auf der Ebene der Landesbanken zu einer Konsolidierung zu kommen", sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bekräftigte bei der "Handelsblatt"-Tagung "Banken im Umbruch": "Man muss nicht über Fusionen sprechen, es gibt auch Möglichkeiten der Kooperation." Immer lauter werdende Forderungen nach einer raschen Neuaufstellung der deutschen Bankenaufsicht, deren Rolle in der US-Immobilienkrise als zu passiv kritisiert worden war, wies Steinbrück zurück.

"Wir haben es mit krisenhaften Entwicklungen zu tun. Die Situation ist ernst", sagte Steinbrück zur anhaltenden Unruhe an den Märkten. Nach einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Psephos im Auftrag des "Handelsblattes" sorgen sich viele Manager angesichts der Krise um das Ansehen deutscher Banken: 31 Prozent der 791 befragten Führungskräfte der deutschen Wirtschaft sehen einen starken Imageverlust. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, betonte: "Wir hatten keine Bankenkrise und wir haben keine." Haasis und Steinbrück warnten vor übereilten Reaktionen, mahnten aber, die Turbulenzen als Anlass für eine Neuordnung des Finanzsektors zu nehmen.

Steinbrück kündigte an, zunächst werde es eine Reform der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geben. Nach Angaben des Finanzministeriums in Berlin soll die interne Umstrukturierung der Bafin am 19. September im Kabinett erörtert werden. In Frankfurt betonte Steinbrück: "Dann werde ich mir die Reifezeit geben, zu beraten, wie die Bankenaufsicht qualitativ besser aufgestellt sein könnte." Als Zeitraum nannte er drei bis vier Monate. Derzeit teilen sich die Bafin und die Bundesbank die Bankenaufsicht. Beide Institutionen ringen seit längerem um mehr Einfluss. Auch zwischen Union und SPD ist die künftige Kompetenzverteilung bei der Bankenaufsicht strittig.

Auch Deutsche Bank leidet unter Finanzkrise

Auch an der Deutschen Bank gehen die seit Wochen anhaltenden Turbulenzen nicht spurlos vorüber. Zwar sei die größte deutsche Bank im August mit der Entwicklung ihrer "stabilen Geschäftsfelder zufrieden", wie Vorstandschef Ackermann sagte. "Gleichwohl kann es nicht überraschen, dass die Marktturbulenzen im Monat August auch die Deutsche Bank beeinträchtigt haben." Die Erholung der Märkte werde noch eine Weile brauchen, den Instituten stehe noch ein schwerer September bevor.

Die Krise um zweitklassige US-Hypothekenkredite (subprime) hatte in Deutschland die Mittelstandsbank IKB und die Sachsen LB in Existenznot gebracht. Nun sei in der Branche "ein bisschen Selbstkritik" und mehr Risikobewusstsein angebracht, sagte Ackermann - dabei schließe er auch die Deutsche Bank mit ein. Ackermann versicherte jedoch, die Deutsche Bank sei keinem Risiko einer weiteren Verschlechterung im Subprime-Markt ausgesetzt. Aktuell habe die Bank einen Bestand von 32 Milliarden Euro in Zweckgesellschaften (conduits), wobei es sich nicht um Subprime-Investments handele. Die Kreditzusagen bei der Finanzierung von Übernahmen durch Private-Equity-Gesellschaften (Leveraged Finance) beliefen sich auf 29 Milliarden Euro.

Öffentlich-rechtlicher Sektor soll umgebaut werden

Nach den Rettungsaktionen für IKB und Sachsen LB forderte wie Bundesfinanziminister Steinbrück auch Sparkassen-Präsident Haasis einen umfassenderen Umbau des öffentlich-rechtlichen Sektors. "Wir haben mehrfach betont, dass wir eine Chance sehen, wenn sich WestLB und LBBW zusammentun", sagte Haasis. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) will die geschwächte WestLB übernehmen, hat aber mit politischem Widerstand aus Nordrhein-Westfalen zu kämpfen.

Im Bemühen der Bundesregierung um mehr Offenheit bei spekulativen Hedge-Fonds hofft Steinbrück infolge der aktuellen Turbulenzen auf ein Einlenken der Gegner strengerer Regelungen - etwa der USA und Großbritannien. "Mein Eindruck ist, dass die Sensibilität zu einer Verbesserung der Transparenz generell gestiegen ist." (mit dpa)