Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft : Berührung mit dem Feind

Nach dem Eklat beim Rennen in Barcelona nähern sich Mercedes und Audi vorsichtig an.

Christian Hönicke

BerlinNorbert Haug wollte sich die Freude nicht nehmen lassen. „Das war ein verdienter Sieg“, sagte der Mercedes-Motorsportchef nach dem Sechsfach-Triumph seiner Marke, angeführt von Jamie Green, beim vorletzten Saisonrennen des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) in Barcelona. Ein nicht unerheblicher Grund für den Erfolg verlitt ihm die Freude aber doch ein wenig, trug er doch schon skandalöse Züge. Nach diversen Feindberührungen hatte Wolfgang Ullrich, der Sportchef des Konkurrenten Audi, neun Runden vor Schluss seine Fahrzeuge unter Buhrufen der 46 000 Zuschauer kurzerhand in die Garage zurückbeordert. Mit der Aktion wollte er gegen die Attacken gegen DTM-Spitzenreiter Mattias Ekström und Martin Tomczyk protestieren. „Die zwei Audi-Fahrer, die um die Meisterschaft fahren, sind aus dem Rennen gekegelt worden“, sagte Ullrich. „Wir wollten verhindern, dass einer unserer Fahrer etwas macht, was nicht unser Stil ist.“ Haug wehrte sich gegen die Unterstellung, seine Piloten Mika Häkkinen und Daniel la Rosa, die mit Geldstrafen von 20 000 und 10 000 Euro belegt wurden, auf die Audi-Spitzenfahrer angesetzt zu haben und schoss zurück: „Es war unnötig, die Autos rauszunehmen.“ Audi bezeichnete die Entscheidung als „wohlüberlegt. Wir stehen auch heute noch dazu“, sagte Sprecher Jürgen Pippig.

Nach dem Eklat wird die Titelentscheidung zwischen Tomczyk, Ekström und Mercedes-Pilot Bruno Spengler nun beim Saisonfinale in Hockenheim fallen. Davor wollen beide Konkurrenten „die Emotionen herausnehmen“, wie es unisono in den Zentralen hieß. Audi-Sprecher Pippig kündigte ein Treffen zwischen den beiden Chefs an, um die Situation zu klären. „Es herrscht keine Eiszeit, wir sprechen miteinander“, sagte auch Norbert Haug. „Man darf nicht zwei Unfälle zum Anlass nehmen, um die Zukunft der DTM zu hinterfragen.“ Die Rolle Audis in der DTM stehe jedenfalls „überhaupt nicht“ zur Disposition, so Pippig: „Wir sind schon für 2008 eingeschrieben. Das sind die besten Tourenwagen-Fahrer der Welt, die müssten das doch auch ohne Rambo-Fahrweise hinkriegen.“