Deutsche Werke : Bundesregierung ringt um Erhalt der Airbus-Jobs

Bei den geplanten Verkäufen von deutschen Airbus-Werken wollen die Bundesregierung und die betroffenen Bundesländer auf den Weiterbestand der Arbeitsplätze pochen. Zurzeit streiten mehrere Bieter um den Kauf der Werke.

Airbus
Bangen um ihre Jobs, die Mitarbeiter von Airbus an den deutschen Standorten. -Foto: ddp

Düsseldorf/Toulouse"Ich bin optimistisch, dass eine Lösung gelingt, mit der die Arbeitsplätze in Deutschland gehalten werden können", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) nach einem Airbus-Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Merkel dankte in dem knapp zweistündigen Gespräch den privaten und öffentlichen Investoren für ihr Engagement, die im Frühjahr mit der Übernahme eines 7,5-Prozent-Anteils das deutsch-französische Machtgleichgewicht beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gesichert hatten. Bei den Werksverkäufen in Norddeutschland und im Südwesten wird es allerdings keine rasche Entscheidung geben. Nach dem Debakel um den neuen Riesenairbus A380 will EADS mehrere Airbus-Werke ausgliedern und so Kosten sparen.

Bieterstreit noch offen

Es werde mehr Zeit benötigt, um die weitreichenden Entscheidungen im Bereich Rumpf (Aerostructure) zu treffen, sagte der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Staatssekretär Peter Hintze. Als Favorit für den angestrebten Zulieferer-Verbund aus Varel, Nordenham und Augsburg gilt der Heidenheimer Maschinenbauer Voith. Im Rennen um Laupheim (Kabine) soll der Nürnberger Industrie- und Rüstungskonzern Diehl gute Karten haben. Der Ausgang des Bieterstreits ist aber noch offen.

Starkes Interesse an dem Werksverbund, der auf 6000 Mitarbeiter und gut eine Milliarde Euro Umsatz käme, hat auch der von Boeing ausgegliederte US-Zulieferer Spirit. Die Bundesregierung setzt sich für den Aufbau starker deutscher Zulieferer ein, um Jobs und die für den Flugzeugbau strategisch wichtige Zukunftstechnologie Kohlefaser in Deutschland zu halten.

Airbus will den A350, der den Boeing-Bestseller 787 Dreamliner angreifen soll, vorwiegend aus dem High-Tech-Verbundstoff herstellen. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen hält sich EADS noch die Option offen, nach der Ausgliederung der Werke für eine Übergangszeit mit einem Minderheitsanteil beteiligt zu bleiben und sich auf diese Weise ein Mitspracherecht zu sichern.

Ministerpräsidenten zuversichtlich

Auf politischer Ebene zeichnet sich Bewegung ab: "Deutschland und Frankreich werden noch in diesem Jahr in Gespräche eintreten über die Sicherung ihrer strategischen und Sicherheitsinteressen unabhängig von der Anteilseignerschaft", sagte Hintze. Dabei werde es auch um die mögliche Einführung einer mit Sonderrechten verbundenen "Goldenen Aktie" gehen. Meist sind es staatliche Anteilseigner, die sich aus strategischen Gründen mit diesen speziellen Aktien ausstatten. "Goldene Aktien" des Staates gibt es in fast allen EU-Staaten - mit Ausnahme von Deutschland.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) zeigte sich zuversichtlich, dass für die Arbeitsplätze im Werk in Laupheim eine stabile Lösung gefunden werde. Es bestünden gute Chancen, dass ein entsprechender Investor gefunden werde. Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD) sagte, die norddeutschen Ministerpräsidenten wollten bei den geplanten Verkäufen eine faire Aufgabenteilung an den einzelnen Standorten erreichen. Eine Lösung sollte nicht auf "schnelles" Geld gerichtet sein, sondern zur industriellen Kompetenz in Deutschland beitragen. An dem Treffen bei Merkel hatten auch Daimler-Chef Dieter Zetsche und der Vorsitzende des EADS-Verwaltungsrats, Rüdiger Grube, teilgenommen. Der Stuttgarter Autobauer ist Großaktionär des Airbus-Mutterkonzerns. (mit dpa)