Deutschland/Polen : Polizeiarbeit ohne Grenzen

Das seit einem Jahr bestehende deutsch-polnische Zentrum von Polizei und Zoll hat sich nach Einschätzung von Experten als Servicestelle für die Sicherheitsbehörden bewährt.

Frankfurt (Oder)/SwieckoBisher seien bereits 13.300 Anfragen - durchschnittlich 36 pro Tag - in der Einrichtung am Autobahnübergang Frankfurt/Swiecko eingegangen, sagte der deutsche Koordinator des Zentrums, Ulf Buschmann.

Etwa 60 Prozent der Anfragen kämen von deutschen Polizeidienststellen, 40 Prozent aus Polen. Dabei gehe es meist um Auskünfte zu gesuchten Personen, Fahrzeughaltern oder gestohlenen Wagen. "Wir sind eine Servicestelle der Sicherheitsbehörden und sorgen für einen schnellen und unkomplizierten Informationsaustausch über die Grenze hinweg", sagte der 42-jährige Polizeibeamte.

Anfragen beantworte das Zentrum meist in wenigen Minuten, sagte Buschmann. Wenn etwa deutsche Polizisten einen polnischen Autofahrer kontrollieren, der seinen Führerschein vergessen hat, seien früher wochenlange Verfahren eingeleitet worden. Heute nehme der Polizist über Funk Kontakt zu seiner Leitstelle auf, die sich an Swiecko wende. Die dortigen Beamten gäben die Anfrage an die gegenüber sitzenden polnischen Kollegen weiter, die im Computer recherchierten, ob der Mann einen Führerschein besitzt. "Im Idealfall hat der Streifenpolizist binnen 15 Minuten eine Antwort", sagte Buschmann.

Auch bei der Verfolgung von Straftätern wird das Zentrum eingesetzt

Die Anfragen kämen nicht nur aus der Grenzregion, sondern aus der ganzen Bundesrepublik. Das zeige, dass das zum Wegfall der Grenzkontrollen im Dezember 2007 eröffnete Zentrum inzwischen bei Polizeidienststellen deutschlandweit bekannt sei. Es arbeite gegenwärtig gemeinsam mit der polnischen Seite an einer eigenen Internetpräsenz, sei aber auch jetzt schon über das Portal der Internetwache zu erreichen.

Auch bei Einsätzen wie der Verfolgung von Straftätern über die Grenze hinweg werde das Zentrum zur Vermittlung eingeschaltet. Wenn beispielsweise deutsche Polizisten einen Autodieb verfolgen, dürfen sie nach Buschmanns Angaben nach Polen fahren und den Täter festhalten, bis die über Swiecko informierte polnische Polizei eintrifft. Im Dezember habe das Zentrum geholfen, einen gestohlenen Lkw mit Schokolade im Wert von 150.000 Euro wiederzubeschaffen. Der deutsche Spediteur hatte das Fahrzeug via GPS in Polen geortet. Mit Unterstützung der Beamten in Swiecko sei die Polizei im Nachbarland eingeschaltet worden, die den Lastzug sicherstellte.

Heute sind in dem rund um die Uhr arbeitenden Zentrum 40 deutsche und 21 polnische Mitarbeiter von acht Sicherheitsbehörden beschäftigt, wie Buschmann weiter sagte. Dazu gehören die Bundespolizei, der polnische Grenzschutz, Polizisten aus Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Polen sowie die Zollbehörden beider Staaten. Alle Beamten seien zweisprachig. Im ersten Jahr hatte die Bundespolizei den deutschen Koordinator gestellt. Mitte Dezember übernahm turnusmäßig die Brandenburger Polizei und damit Udo Buschmann die Leitung für drei Jahre. ddp

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