Der Tagesspiegel : Deutschlands Waterloo

Ein kleines Dorf in der Prignitz lädt seine Namensvettern aus aller Welt zum Treffen ein

Anna Bilger

Waterloo. Nicht viele fahren mit dem Auto durch diese 85-Seelen-Gemeinde. Doch wenn sie es tun, schauen sie am Dorfeingang schon zweimal hin. Waterloo? Der Ort bei Blüthen in der Prignitz ist der einzige in Deutschland mit diesem geschichtsträchtigen Namen. Doch internationale Namensvettern gibt es viele. Auf den Namen ist man stolz, in Deutschland und anderswo – daher feiert man dieser Tage das 4. Internationale Waterloo-Treffen. Eingeladen sind fünf Bürgermeister aus Städten und Dörfern, deren Namen an den belgischen Ort erinnern, wo Napoleon 1815 endgültig besiegt wurde. Sie kommen aus den USA, Kanada – und natürlich Belgien.

„Wir zeigen den Gästen unser Dorf, die Gegend und Brandenburg“, sagt Bürgermeister Wolfgang Behn. Denn die Idee hinter dem Treffen sei schließlich die Völkerfreundschaft und das gegenseitige Kennenlernen. Behn selbst ist schon nach Kanada und in die USA auf Waterloo-Treffen gereist. Daher war es ihm wichtig dieses Jahr ins Waterloo in der Prignitz zu laden.

Bis einschließlich Pfingstmontag dauert das Treffen. Die Idee stammt eigentlich aus Belgien, dem Ur-Waterloo sozusagen. Dort trafen 1996 erstmals zehn Waterloo-Delegationen zusammen. Auch Behn hat eigentlich zehn Vertreter eingeladen: „Doch leider sind nur fünf gekommen“, sagt der Bürgermeister traurig. Auf eine Abordnung aus Irland wird noch gewartet.

Die anderen Gäste, die in der lokalen Gaststätte untergebracht sind, können derweil einiges über die Namensvettern lernen. Im Blüthener Dorfmuseum eröffnete Behn gestern gemeinsam mit seinen Besuchern eine Ausstellung. Vorgestellt werden alle Waterloos, von Iowa in den USA bis Sierra Leone. Und natürlich auch die Geschichte von Brandenburgs Waterloo.

Das bekam seinen Namen durch Graf von Voß, der gemeinsam mit Wellington und Blücher gegen Napoleon kämpfte. Weil der Graf die Schlacht überlebte, beantragte er nach seiner Rückkehr beim König Friedrich Wilhelm III., den Ort Stawenow in Waterloo umzubenennen.

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