Devisen : Chinas Währungsreserven sollen Geld bringen

China hortet den größten Devisenschatz der Welt. 1,2 Billionen Dollar lagern in den Tresoren der Volksrepublik. Ein Teil davon soll jetzt in eine Investmentgesellschaft fließen und sich dort vermehren.

PekingChina wird 200 Milliarden Dollar (148 Mrd Euro) in die neue staatliche Investmentgesellschaft stecken, die seine weltgrößten Devisenreserven gewinnbringender als bisher anlegen soll. Der Ständige Ausschuss des Volkskongresses billigte in Peking entsprechende Pläne des Finanzministeriums. Für 1,55 Billionen Yuan werden besondere Schatzanleihen ausgegeben, die dem Kauf von 200 Milliarden Dollar aus den 1,2 Billionen Dollar großen chinesischen Devisenreserven dienen werden. Das Kapital fließt in die neue Anlagegesellschaft, die bereits im Mai drei Milliarden Dollar für eine Beteiligung am amerikanischen Finanzinvestor Blackstone bezahlt hatte.

Sparzinsen sollen nicht mehr versteuert werden

Der Volkskongress erlaubte dem Finanzministerium ferner, die Steuer auf Zinsen aus Spareinlagen abzuschaffen oder zu verringern. Experten rechnen zunächst mit einer Halbierung, um Sparguthaben wieder attraktiver zu machen. Die Ausgabe der neuen Staatsanleihen sowie die höheren Zinsgewinne für Sparer sollen überschüssige Liquidität abschöpfen und dadurch die Inflationsgefahr eindämmen sowie die Spekulationen am boomenden Aktienmarkt verringern. Die Börsen haben in diesem Jahr um mehr als 40 Prozent zugelegt und einfache Sparer in Scharen angezogen. Allein im Mai waren die Spareinlagen um die Rekordsumme von 278 Milliarden Yuan gesunken.

Als Reaktion auf die neuen Investitionsmöglichkeiten gingen die Börsenkurse zurück. Der Schanghaier Aktienindex fiel um 2,39 Prozent, während der Index in Shenzhen um 3,11 Prozent absackte. Die Kursverluste seien ein Zeichen, dass die Regierungsmaßnahmen zur Abkühlung des Aktienmarkts erfolgreich seien, kommentierten Analysten. Die neuen Schatzanleihen werden weiteres Kapital von den Börsen abziehen. Wann die neuen Papiere ausgegeben werden, war noch offen. Doch soll die Gründung der neuen staatlichen Anlagegesellschaft möglicherweise im August abgeschlossen sein, so dass im September die Geschäfte voll aufgenommen werden könnten.

Großteil der Reserven in Dollar

Bisher hat China seine wachsenden Devisenreserven zu einem großen Teil konservativ in US-Schatzanleihen angelegt, die aber wenig Ertrag bringen. Die neue Anlagegesellschaft soll dem Beispiel der Temasek Holding in Singapur folgen, die es in drei Jahrzehnten auf eine durchschnittliche Rendite von 18 Prozent gebracht hat. Über die Aktivitäten solch kapitalkräftige Staatsfonds macht sich auch die Bundesregierung verstärkt Gedanken. Doch hatte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erst diese Woche bei einem Besuch in China versichert, ihm seien keine chinesischen Übernahmeabsichten in Deutschland bekannt.

Durch den massiven Überschuss im Außenhandel sind Chinas Devisenreserven seit Jahresanfang um weitere 135 Milliarden auf 1,2 Billionen Dollar angestiegen. Die neue Anlagegesellschaft, die vom früheren Vizefinanzminister Lou Jiwei geführt wird, ist eine Konsequenz aus den Erwartungen der Regierung, dass die Reserven auch in Zukunft weiter zulegen werden, wie Experten meinten. (mit dpa)