DFB-Bundestag : Viele Baustellen und ein neues Präsidium

Nicht nur die Wiederwahl des Präsidiums um Theo Zwanziger steht beim DFB-Bundestag in Mainz auf dem Programm. Der neue Grundlagenvertrag zwischen Verband und DFL verspricht Brisanz.

Bierhoff
Oliver Bierhoff soll zusammen mit Matthias Sammer frischen Wind ins DFB-Präsidium bringen. -Foto: ddp

MainzDer 39. Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Mainzer Rheingoldhalle verspricht Spannung, Brisanz und richtungweisende Entscheidungen. Bereitet ist Bühne für die Wiederwahl des Präsidenten Zwanziger, der auch in den kommenden drei Jahren sein Augenmerk auf die Bedeutung des Fußballs als integrative Kraft der Gesellschaft legen will - von der Nationalmannschaft als Aushängeschild bis zum Dorfverein. Mit den Ex-Nationalspielern Oliver Bierhoff und Matthias Sammer rücken außerdem zwei Funktionär-Jungstars in Zwanzigers Präsidiumsriege, die den Willen zur Modernisierung des Verbandes dokumentieren sollen. Und während die Zusammenarbeit mit Bundestrainer Joachim Löw bis zum Ende der WM 2010 bereits in trockenen Tüchern sein soll, wird die Neufassung des Grundlagenvertrags Dachverband und Deutsche Fußball Liga (DFL) noch weit über den DFB-Bundestag hinaus beschäftigen.

Im Spannungsfeld zwischen Liga und Verband gibt es wichtige Fragen zu klären. Im Moment hört es sich so an, als wolle die Liga alles auf den Kopf stellen, um eine andere Lösung zu finden. Aber auch wir müssen prüfen, ob wir an den Einnahmen der Bundesliga noch richtig beteiligt werden", erklärte der DFB-Generalsekretär und zukünftige Schatzmeister Horst R. Schmidt im Interview und fügte hinzu: "Das ist eine Diskussion, die laufend geführt werden muss, deshalb gab es während der Laufzeit des jetzigen Grundlagenvertrags immer wieder aktuelle Vereinbarungen. Ich denke da nur an die freiwillige Zahlung an die Liga aus dem WM-Überschuss."

DFL will mehr Geld

Der DFB hatte aus dem WM-Überschuss von insgesamt 105 Millionen Euro der DFL 50 Millionen Euro als Sonderleistung gezahlt. Doch die Liga will in Zukunft mehr. Vor allem die durch den noch bis 2009 gültigen Grundlagenvertrag festgelegte Größe des Anteils der Profiklubs an den Einnahmen der Nationalmannschaft soll hinterfragt werden. "Dass der Profifußball seine Interessen klar artikuliert, sollte nicht ehrenrührig sein. Dementsprechend wird sich die Liga natürlich auch im Rahmen der Gespräche über eine Verlängerung des Grundlagenvertrags verhalten. Dass der selbstständige Ligaverband in den vergangenen Jahren selbstbewusster geworden ist, sollte den DFB nicht erschrecken. Denn eine starke Liga muss immer auch im Interesse des nationalen Verbandes und seiner Mitglieder sein", meinte Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball.

Doch dem Anliegen des Ligaverbandes, deutlich höhere Anteile aus den Einnahmen der Länderspiel der DFB-Elf zu erzielen, erteilte DFB-Boss Zwanziger bereits im Vorfeld des Bundestags im weitesten Sinne eine Absage: "Man könnte noch sagen, da wäre ein halbes Prozent mehr oder weniger denkbar. Aber ansonsten ist die Regelung gerecht." Laut aktuellem Grundlagenvertrag ist der DFB verpflichtet, aus den Einnahmen der A-Länderspiele (TV-Rechte, Sponsoren, Eintrittsgelder etc.) abzüglich damit direkt zusammenhängender Aufwendungen eine Vergütung von 18 Prozent oder mindestens 12,0 Millionen Euro an den Ligaverband zu zahlen. Der Ligaverband zahlt dafür derzeit jährlich mindestens 12,8 Millionen Euro an den Verband. Diese Summe resultiert aus der Nutzung überlassener Rechte und Zahlung eines jährlichen Pachtzinses von drei Prozent der Eintrittsgelder und Media-Einnahmen aus Meisterschaftsspielen der Lizenzligen.

Die DFL macht seit Monaten keinen Hehl daraus, mehr Geld vom DFB fordern zu wollen. Deshalb wurde vom Ligaverband der nach einem Spitzengespräch zwischen den DFB-Vertretern Zwanziger, Schmidt und Wolfgang Niersbach mit der Liga-Spitze um Rauball, Christian Seifert, Peter Peters und Harald Strutz am vergangenen Donnerstag in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main modifizierte Antrag 96a eingebracht, der schon Verhandlungen im ersten Halbjahr 2008 anmahnt.

Geltende Regelung seit 2001

Während beim Bundestag 2004 in Osnabrück noch ziemlich einvernehmlich der aus 2001 stammende Grundlagenvertrag bis 2009 verlängert wurde, fordert die DFL eine grundlegende Neufassung der Vereinbarung, die vor allem die gegenseitigen finanziellen Ansprüche regelt.

Viel schneller als die sich mindestens noch bis Mitte des kommenden Jahres hinziehende Neufassung des Grundlagenvertrags wird dagegen die innerhalb des Präsidiums längst beschlossene Vertragsverlängerung mit dem Bundestrainer über die Bühne gehen. "Im Grundsatz sind wir uns mit Joachim Löw einig", bestätigte Zwanziger, der selbst größtes Interesse daran hat, die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Löw den Delegierten in Mainz zu präsentieren. (mit sid/dpa)