DFB-Pokal : Die Bayern fahren nach Berlin

Die Bayern haben ihr Tief womöglich überstanden. Das beste Rückrundenteam der Bundesliga, der VfL Wolfsburg, musste sich einer überlegenen Bayern-Mannschaft geschlagen geben.

Christian Kunz[dpa]
Ribery
Ribery erlöste in der 60. Minute die angespannten Bayern und bereitete das Abstaubertor von Klose in der 66. Minute vor. -Foto: dpa

Der FC Bayern München hat den Charaktertest bestanden und zum 16. Mal das Finale im DFB-Pokal erreicht. Nach zwei Pflichtspielpleiten in Folge und Krisengerede bezwang der deutsche Rekordmeister den VfL Wolfsburg nach einer überzeugenden Leistung hochverdient mit 2:0 (0:0) und trifft jetzt im Endspiel am 19. April in Berlin auf Borussia Dortmund. 62 000 Zuschauer sahen ein Geduldsspiel auf hohem Niveau und die Erlösung durch Franck Ribéry (60.) und Miroslav Klose (66.). Die Bayern bleiben auf Triple-Kurs, die Zusatzeinnahme von mindestens eineinhalb Millionen Euro nehmen sie gerne mit.

"Die Mannschaft hat ziemlich souverän das Finale erreicht. Heute hat die Mannschaft von der ersten bis zur letzten Minute sehr, sehr gut gespielt", analysierte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Seine Angestellten tanzten losgelöst durchs Stadion, Oliver Kahn darf bereits zum siebten Mal nach Berlin und freute sich: "Das Spiel war für uns als Mannschaft sehr wichtig." Wolfsburgs Trainer Felix Magath kritisierte dagegen: "Wir hatten zu großen Respekt vor den großen Bayern und dem großen Stadion, und den konnten wir nie ablegen."

"Wir sind gut drauf und schwer zu schlagen"

Drei Tage vor dem Liga-Gipfel gegen Leverkusen hatte der mit Sprechchören gefeierte Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld mit einem auf vier Positionen veränderten Mitarbeiter-Mix auf innerbetriebliche Rhythmusstörungen und das blamable 0:2 in Cottbus reagiert. Martin Demichelis durfte nach seinem Mittelfeld-Streik zurück auf seine Wunschposition in der Innenverteidigung und stabilisierte die Defensive. Für den gesperrten Luca Toni wurde Lukas Podolski "reinrotiert". Hitzfeld forderte Wiedergutmachung. Das Trainer-Duell gegen seinen Vorgänger Magath machte den sportlichen Großauftrag zusätzlich brisant. Der ehemalige Bayern-Coach hat die "Wölfe" immerhin zum besten Bundesliga-Team des Jahres 2008 geformt.

"Wir werden das Spiel nicht wegschenken. Wir sind gut drauf und sehr schwer zu schlagen", orakelte Magath, selbst als doppelter Double-Gewinner in München bis zu seiner Entlassung vor 14 Monaten mehr respektiert als geliebt. Nach nur 92 Sekunden allerdings beinahe das erste Gästegeschenk. Nach Lells Flanke war der überraschte Franck Ribéry acht Meter vor dem Tor ohne jeglichen Begleitschutz - und vergab überhastet.

Der Sieg therapiert angeschlagene Bayern

Bereits diese erste Sehenswürdigkeit war ein klares Indiz für die deutlich verbesserte Arbeitsmoral der kombinationssicheren Bayern. Der 13-malige Pokalsieger begann sehr präsent und spielte sich gegen defensiv gut gestaffelte Wolfsburger vier weitere gute Möglichkeiten durch Klose (9.), Lucio (22.), Ribéry (33.) und Mark van Bommel (45.) heraus. Bayern-Keeper und Rekord-Pokalsieger Oliver Kahn wurde von den munter mitspielenden Wolfsburgern in der ersten Hälfte nur von zwei Marcelinho-Freistößen getestet.

Wie beim 1:0-Coup am Sonntag in Bremen überzeugte der VfL Wolfsburg mit intelligentem Raumverhalten, aber ein unnötiger Ballverlust von Marcelinho am eigenen Strafraum bescherte den Platzherren unfreiwillige Entwicklungshilfe. Nach Kloses Zuckerpass veredelte Ribéry seine überragende Leistung mit dem erlösenden 1:0. Allein in den ersten 45 Minuten hatte der Franzose 41 Ballkontakte. In der 66. Minute "therapierte" sich der bis dahin glücklose Klose mit seinem fünften Tor im laufenden Wettbewerb selbst.
Sein anschließender Salto wurde zum Symbolbild der erleichterten Bayern. "Ich hatte eine durchschnittliche Phase und merke jetzt selbst, dass es wieder nach oben geht", meinte Klose. Podolski vergab bei einer Großchance (80.) einen noch deutlicheren Erfolg und konnte sich nicht als Stammkraft empfehlen.