DFB : Wahl als Formsache

DFB-Präsident Theo Zwanziger braucht sich um seine Wiederwahl Ende der Woche keine Sorgen zu machen. Deshalb kann er sich schon mit Zukunftsthemen beschäftigen: der Vertragsverlängerung von Joachim Löw und der Austragung der Frauen-WM 2011.

Theo_Zwanziger
Präsident vor der Wahl. Theo Zwanziger wird als DFB-Präsident bestätigt werden. -Foto: ddp

Frankfurt/MainGrünes Licht für einen neuen Vertrag mit Bundestrainer Joachim Löw, ein partnerschaftliches Verhältnis mit der DFL und als perfekten Startschuss schon am nächsten Dienstag den Zuschlag für die Frauen-WM 2011: Theo Zwanziger will mit Elan in seine nächste Amtszeit als DFB-Präsident gehen und hat kurz vor seiner bevorstehenden Wiederwahl beim Bundestag am Donnerstag und Freitag in Mainz die Ziele für die kommenden drei Jahre an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verkündet. Noch schneller als ohnehin erwartet dürfte es zu einer Einigung mit Nationalcoach Löw über eine Verlängerung der Zusammenarbeit bis ins Jahr 2010 kommen. "Im Präsidium ist das Bekenntnis vorhanden, den Weg mit ihm weiterzugehen", sagte Zwanziger.

Parallel zu den Vorbereitungen zum Bundestag gehen auch die Verhandlungen mit Löw voran: "Die Gespräche darüber laufen, so dass ich davon ausgehe, dass wir das zügig hinter uns bringen und zu einem für beide Seiten positiven Ergebnis kommen. Wir sind uns da sehr nahe", sagte Zwanziger. Bundestrainer Löw hatte sich nach der erfolgreichen Qualifikation für eine vorzeitige Ausdehnung seines bislang bis zur EM 2008 datierten Vertrages bereit erklärt, diese aber an Bedingungen geknüpft. "Er will wissen, wie ernst meint es der Verband damit, dieser Nationalmannschaft in jeder Hinsicht Wertschätzung entgegenzubringen. Und zwar nicht dadurch, dass wir auf der Tribüne sitzen und klatschen, sondern dass wir wissen, wie schwer es ist, die Nationalmannschaft international auf höchstem Niveau zu halten", sagte Zwanziger. Darüber herrsche in der DFB-Spitze Konsens.

Gutes Verhältnis zur DFL

Trotz jüngster Dissonanzen - wie beim Konflikt um den neuen Ausrüster-Vertrag - erwartet Zwanziger bei den bevorstehenden Verhandlungen mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) über den kommenden Grundlagenvertrag und die damit verbundene Verteilung der Geldströme im deutschen Profifußball keine Probleme. "Dass man unterschiedlicher Meinung sein kann, ist doch ganz normal. Das ändert aber nichts daran, dass wir in einer sehr vernünftigen Weise miteinander umgehen und auch das, was im kommenden Jahr ansteht, nämlich eine Fortschreibung des Grundlagenvertrages, sehr offen beraten werden. Wir werden immer eine Lösung zwischen DFB und DFL haben, in der wir die Bedeutung des professionellen Fußballs richtig einstufen. Unser Verhältnis ist optimal, die Konstruktion ist es auch", sagte der 62-Jährige.

Vier Tage nach der Präsidentenkür in der Mainzer Rheingoldhalle steht für Zwanziger am kommenden Dienstag schon ein absolutes Highlight seiner ersten kompletten Amtszeit als alleiniger DFB-Chef an. Vor der Vergabe der WM 2011 warnt der erklärte Fan des Frauen-Fußballs aber vor selbstgefälligem Optimismus. "Ich habe an dieser Euphorie nach dem WM-Titel nie so ganz teilgenommen. Wir haben alles getan und eine qualitativ sehr gute Bewerbung. Und wir haben einen Vorteil, wie ich meine, nämlich dass Europa dran ist. Aber das alleine reicht nicht. Kanada ist ein sehr starker Mitbewerber. Garantieren kann man nichts", sagte Zwanziger.

Ruhiges Jahr 2007

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren sieht Zwanziger den deutschen Fußball in ruhigem Fahrwasser. "2005 hat uns der Wettskandal monatelang beschäftigt, und 2006 wussten wir im ersten Halbjahr nicht, ob Jürgen Klinsmann die Mannschaft für die WM auf den richtigen Weg bringt." Nun stehen für Zwanziger Entscheidungen von finanzieller Tragweite an. Keine Schwierigkeiten erwartet er bei den Gesprächen zum EM-Etat und den EM-Prämien für die Nationalspieler. Spannender werden die Verhandlungen zum neuen TV-Kontrakt: Nach der DFL muss auch der DFB im kommenden Jahr seinen Fernsehvertrag neu aushandeln, und Zwanziger schloss gravierende Änderungen nicht aus.

Gerade der DFB-Pokal steht im Fokus der Reformgedanken und könnte künftig im Pay-TV zu sehen sein. Die Übertragung von Länderspielen hingegen gehört laut Zwanziger ins frei empfangbare Fernsehen - und offenbar auch in die Hände der öffentlich-rechtlichen Sender. "ARD und ZDF sind für uns immer die ersten Ansprechpartner", sagte der passionierte Tischtennisspieler. Den Vorschlag von Uefa-Präsident Michel Platini, dem Sieger des Pokalwettbewerbes ein Startrecht in der Champions League zu gewähren, steht Zwanziger skeptisch gegenüber. "Wir brauchen die Aufwertung nicht." (mit dpa)