Der Tagesspiegel : Die Alten locken

Hunderte historische Bauten laden am Wochenende mit Sonderaktionen und Vorträgen ein

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Fast 500 Denkmäler in Berlin und Brandenburg buhlen am Wochenende um Besucher. Da fällt das Auswählen nicht leicht, auch wenn zumindest in Berlin der „Tag des offenen Denkmals“ gleich das ganze Wochenende füllt. Die zentrale Eröffnungsveranstaltung des diesjährigen Denkmaltages findet am Freitag, dem 6. September, um 18 Uhr am Mariannenplatz in Kreuzberg statt, gerahmt von einem Stadtteilfest unter dem Motto „Die Luisenstadt lebt“. Danach geht’s munter weiter. Eine Auswahl:

Auch die Ruine der 1832 bis 1834 nach Schinkels Plänen erbauten Elisabethkirche an der Invalidenstraße (Mitte) ist am Denkmaltag geöffnet. Die Gerüste sind innen und außen bereits abgebaut, der Blick ist frei auf ein imposantes Zeugnis klassizistischen Bauens, das noch vor ein paar Jahren vollkommen überwuchert war. Bis 2005 soll das Gotteshaus aufgebaut sein. Zuvor schon möchte die Gemeinde die Kirche für Konzerte und Ausstellungen nutzen, um sie wieder ins öffentliche Bewusstsein zu bringen.

In Steglitz wird das seit 1995 leer stehende Heizkraftzwerk Steglitz vorgestellt, für das die Bewag noch eine neue Nutzung sucht. Bei der Gelegenheit erfährt man auch einiges über Ideen von Architekturstudenten zur Um- und Neunutzung historischer Werkhallen, die über die ganze Stadt verstreut sind.

Als Neuling ist das Landhaus von Max Liebermann am Großen Wannsee dabei, das bis vor kurzem von einem Tauchklub genutzt wurde. Die herrschaftliche Villa wird in den kommenden Jahren restauriert und in den Zustand von 1909 zurück versetzt, und auch der Garten am Wasser, dem der Maler in über 200 Bildern ein Denkmal gesetzt hat, erhält seine stimmungsvolle Form mit Birkenallee und Heckenschmuck zurück. Die Max- Liebermann-Gesellschaft als neue Nutzerin dokumentiert am Denkmaltag und danach in einer ersten Werkstattausstellung Liebermanns Leben und Werk. Erläutert werden auch die Renovierungsarbeiten an Haus und Garten.

Es locken weiterhin: Besuche in U-Bahnhöfen in Mitte, Inspektion der Klosterruine (U-Bhf. Klosterstraße), wo während des Denkmalwochenendes die Ausstellung „7 finnische Künstler“ stattfindet. Oder Tonprobe der Kinoorgel im „Babylon“ (Mitte, Rosa-Luxemburg-Straße 30). Im Charlottenburger Schlosspark wird über die Wiederherstellung des Lennéschen Wegesystems informiert, am Tempelhofer Ufer (Kreuzberg) wird das aufwändig restaurierte Büropalais Eger vorgestellt. Auf dem Programm stehen, neben Kirchen, Friedhöfen, Gärten und Wohnanlagen auch die Industriebauten von Peter Behrens in Oberschöneweide, das RIAS-Funkhaus in Schöneberg oder die alte Schultheiss-Patzenhofer-Brauerei in Spandau. Helmut Caspar

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