Der Tagesspiegel : Die Bahn lässt sich nicht den Hof machen

Ahrensfelde, der Verkehrsverbund und das Land möchten eine Station bauen und bezahlen. Aber der Staatskonzern sperrt sich

Alexander Fröhlich

Ahrensfelde - Im Entwurf des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) für den Winterfahrplan der Bahn, der Mitte Dezember erscheint, steht schon eine Station, die es noch gar nicht gibt. Ahrensfelde-Rehhahn kurz hinter Berlins nordöstlicher Stadtgrenze. Die Baugenehmigung liegt vor, die Gemeinde Ahrensfelde würde den Bahnhof bezahlen, das Land Brandenburg Fördermittel geben, und auch der private Bahnkonkurrent Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg), der die Strecke betreibt, wünscht diesen Halt – nur die Deutsche Bahn sperrt sich.

„Wir sind in intensiven Gesprächen mit Bahn“, sagt der Büroleiter von Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD), Egbert Neumann. Ahrensfelde wäre ein Präzedenzfall, denn auch Ludwigsfelde, Senftenberg und Bad Saarow wollen neue Stationen auf eigene Kosten und mit Fördermitteln des Landes errichten. Dellmann unterstützt diese Pläne: Er will die Kosten für neue Bahnhöfe senken und der Bahn weniger Geld für deren Unterhalt geben – oder gleich private Unternehmen mit dem Betrieb der Stationen betrauen.

Der Ahrensfelder Hotelier Hartwig Schulz hatte vor Jahren eine Initiative von Unternehmern für den neuen Bahnhof initiiert. Dieser soll am Rande des Gewerbegebiets Rehhahn gebaut werden, an der Regionalbahnlinie 25 von Berlin-Lichtenberg nach Werneuchen. Die Odeg zählte hier im Juni 42 000 Fahrgäste, überwiegend Berufspendler. Bis zu 100 mehr pro Tag könnten es sein, wenn es den neuen Bahnhof gäbe, schätzt der VBB. Die Unternehmer wollen die Station für Mitarbeiter oder wie Hotelier Schulz für Kunden. Rund 600 Menschen arbeiten in dem Gewerbegebiet, ein großer Reinigungsdienstleister hat seine Deutschland-Zentrale in Ahrensfelde aufgebaut. Entscheidend dafür war die Aussicht auf eine schnelle Verbindung mit der Bahn aus Berlin, denn die Bundesstraße 158 ist häufig verstopft. Mit dem Zug bräuchte man knapp 15 Minuten. Eine Gutachter hat bestätigt, dass sich die kleine Station rechnen würde – trotz der drei anderen Bahnhöfe und dem S-Bahn-Halt, die es in der sehr langgestreckten Gemeinde Ahrensfelde bereits gibt.

Ahrensfeldes Bürgermeister Wilfried Gehrke (CDU) berichtet, die Bahn habe ursprünglich zugesagt, es bis zum Winter zu schaffen. Aber vergangene Woche sei die Absage gekommen. „Der für Ende 2008 vorgesehene Inbetriebnahmetermin ist nicht mehr realistisch“, bestätigte Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Über die Gründe wollte er sich nicht äußern.

Das Potsdamer Verkehrsministerium liegt mit der Bahn vor allem über deren Preisvorstellungen über Kreuz. Als Betreiber des Haltepunkts würde die Bahn nach Informationen des Tagesspiegels 50 000 Euro im Jahr von der Odeg verlangen. Diese bekäme das Geld vom VBB und der wiederum vom Land wieder. Diese Kosten sind dem Ministerium aber zu hoch, es ist lediglich bereit, die Hälfte zu zahlen. Die Fördermittel des Landes sollten sich nach Aussage von Büroleiter Neumann in niedrigen Stationspreisen niederschlagen.

Eine Alternative wäre daher, dass nicht die Bahn, sondern ein privater Anbieter die Station betreibt. Das wäre deutlich günstiger, heißt es beim VBB. Und auch Odeg-Sprecher Jörg Kiehn meint: „Kleine Probleme werden von Dritten sofort erledigt, und es dauert nicht Monate wie bei Staatsunternehmen.“

Aber auch bei dieser Lösung stellt sich die Bahn quer. Nach Angaben des Verkehrsministeriums will der Konzern seine Flächen am Gleis für den Stationsneubau von privaten Anbietern nicht hergeben. „Das ist neuer Bereich, in dem es bislang keine Erfahrungen gibt“, erklärt Egbert Neumann.

Auch Frank Brechler von der Prignitzer Eisenbahn GmbH bestätigt: „Bei der Betreiberschaft auf Grundstücken der Deutschen Bahn hat das Eisenbahnrecht Lücken.“ Und VBB-Sprecher Matthias Stoffregen sagt, eine „saubere Lösung wäre nur bundesgesetzlich zu finden“.

Inzwischen liegt das Problem beim Eisenbahnbundesamt. „Es handelt sich um ein völlig neues Thema“, erklärt Behördensprecher Ralph Fischer. Für diese Woche seien nun Gespräche zwischen dem Brandenburger Verkehrsministerium und dem Bundesamt geplant.

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