Der Tagesspiegel : Die Berliner Südsee

In der Cargolifter-Halle in Brand laufen die letzten Vorbereitungen. Am Sonntag eröffnet dort das „Tropical Islands Resort“

Claus-Dieter Steyer

Brand - Kipper und Betonmischer fahren kreuz und quer, Baggerfahrer hupen, Bautrupps schleppen Kokospalmen und Bananenbäume – der Umbau der früheren Luftschiffhalle in Brand zum „Tropical Islands Resort“ erscheint in diesen Tagen wie das perfekte Chaos. Unter Hochdruck arbeiten 500 Bauleute von 90 Firmen teilweise in drei Schichten, um den Eröffnungstermin am Sonntag zu schaffen. Ab sechs Uhr sollen die ersten Besucher die neue Attraktion nutzen können.

Schon jetzt kommen täglich bis zu 4000 Menschen und staunen, was sich in den vergangenen Wochen Bis zu 4000 Menschen täglich stillten in den vergangenen Wochen ihre Neugier auf den beim Umbau der einst für riesige Luftschiffe konstruierten Halle getan hat. Gebannt lassen sie sich von einem Film in die künftige Dschungel- und Badewelt entführen. Voll besetzt ist stets auch der lange Balkon mit dem besten Überblick über die 107 Meter hohe und 360 Meter lange Halle, in der acht Fußballfelder Platz fänden.

„Der gewaltige Andrang hat uns selbst überrascht“, sagt Pressesprecherin Kathi Sokatsch, die vorher als Öffentlichkeitsarbeiterin auf der Albrechtsburg in Meißen arbeitete. „Daher sind wir alle optimistisch, dass auch das Tropenparadies selbst ein Erfolg wird.“ Mit ihr hoffen rund 500 Menschen auf ein Gelingen des Vorhabens. Sie fanden hier Jobs als Gärtner, Köche, Fitness-Trainer, Elektriker, Bademeister oder Garderobenfrauen.

So mancher Baustellen-Besucher machte sich abseits der offiziellen Wege und des kleinen Weihnachtsmarktes in dem Labyrinth auf eine eigene Entdeckungstour. Bei dem Gewimmel, dem gedämpften Licht und den Staubschwaden fiel das nicht auf. Zwischen den Bautrupps fahren unentwegt Lastwagen, Betonmischer, Kipper und Bagger hin und her. Obendrein befindet sich der Besucher in einem vielsprachigen Stimmengewirr. Männer aus mehreren Ländern errichten ein tropisches Dorf mit typischen Häusern aus Borneo, Thailand, Bali, Samoa, dem Kongo und vom Amazonas. Hier sollen die Gäste essen, trinken, tagen und vielleicht auch Hochzeit feiern können.

Auf den Dächern liegt der Staub zentimeterdick, so dass sie vom Kran aus mit langen Besen gereinigt werden müssen. Auch die gut 12 000 Pflanzen, die in der mit Lehm vermischten märkischen Erde anwachsen sollen, tragen einen Grauschleier. Die ältesten Bäume stammen aus Thailand. 140 Jahre standen die 14 Meter hohen und 800 Kilogramm schweren Feigenbäume irgendwo im Dschungel. Die Kokospalmen kommen aus Florida, Bananen- und Ananasbäume wuchsen in Mittelamerika. In holländischen Gewächshäusern stellten sie sich auf das mitteleuropäische Klima ein. Doch diese Eingewöhnung war eigentlich nur für die Bauzeit notwendig. Denn ab kommenden Sonntag sollen in dem Koloss ständig zwischen 25 und 28 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 50 bis 60 Prozent herrschen.

Industrie-Bergsteiger montieren gerade an der Außenwand eine durchlässige Membran, damit natürliches Sonnenlicht die Pflanzen erreicht. Unter dem Dschungel in der Hallenmitte liegen die Umkleideräume für die Badefreudigen. Die können entweder in die große Südsee springen oder in die kleinere Lagune eintauchen. In beiden Bassins schwankt die Temperatur zwischen 29 und 32 Grad Celsius. Besonders viel Aufmerksamkeit bei den Besuchern der Baustelle erfährt eine kleine Ampel, die den Abstand auf den Rutschen regeln soll. „Mitten im Chaos funktioniert sie reibungslos, obwohl sie jetzt eigentlich noch niemand braucht“, amüsiert sich ein Gast aus Cottbus.

Doch so ein Schnappschuss von der Ampel gehört genau wie ein Bild vom malaysischen Investor und obersten Bauherren Colin Au zu den beliebtesten Souvenirs der Gäste. Die Chancen auf Fotos vom Multimillionär stehen nicht schlecht. Der 55-Jährige leitet den 70 Millionen Euro teuren Umbau von einem gläsernen Büro aus, an dem die Besucher vorbei schlendern können.

Dagegen bleiben die Mitglieder des großen brasilianischen Tanzensembles in ihrem Areal fast ungestört. Sie proben seit Wochen ihre anderthalbstündige Show, die künftig täglich zu sehen sein wird. Die Premiere steigt am Sonnabend vor geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft – auch Ministerpräsident Platzeck hat sich angekündigt. Ob er seine Badehose mitbringt, ist noch offen.

Anreise: Mit dem Auto: Auf der A 13 in Richtung Dresden bis zur Ausfahrt Staakow. Mit dem Zug: Ab Freitag hält der Regionalexpress 2 von Zoo, Friedrichstraße und Ostbahnhof in Richtung Cottbus fast im Stundentakt in Brand.

Geöffnet: 24 Stunden, 365 Tage im Jahr

Preise: Bei Ankunft zwischen 22 und 6 Uhr kosten vier Stunden 5 Euro. Der maximale Preis von 20 Euro für vier Stunden ist sonnabends und sonntags zwischen 9 und 22 Uhr zu zahlen. Kinder von 4 bis 13

Jahren zahlen die Hälfte, Ermäßigung für Senioren.

Auskunft: Telefon

035 477/60 50 50

Internet; www.my-

tropical-islands.com

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