Der Tagesspiegel : Die CDU verliert ihren Generalsekretär

MICHAEL MARA

Thomas Klein kandidiert nicht mehr für ein Spitzenamt VON MICHAEL MARA

PotsdamZweieinhalb Monate vor der Wahl einer neuen Führung der Brandenburger CDU ist eine Vorentscheidung gefallen: Generalsekretär Thomas Klein wird in der Führungsspitze nicht mehr vertreten sein.Klein erklärte vor Journalisten, daß er definitiv für kein Spitzenamt kandidieren werde.Er reagierte offenbar auf die Ankündigung des amtierenden Parteivorsitzenden Peter Wagner, im Falle seiner Wahl zum Vorsitzenden Klein nicht als Generalsekretär zu nominieren.Als Nachfolger ist der 32jährige Junge-Union-Chef Thomas Lunacek im Gespräch. Wagner erfuhr von der definitiven Absage Kleins, für kein Amt im neuen Landesvorstand zu kandidieren, Mittwoch früh aus den Medien.Er sei dennoch nicht überrascht oder gar verärgert, sagte der amtierende Parteichef.Klein habe ihm gegenüber schon vor längerer Zeit sein Desinteresse an einem anderen Parteiamt - Wagner hatte den Posten eines stellvertretenden Vorsitzenden vorgeschlagen - geäußert.Seine Entscheidung gegen Klein als Generalsekretär begründete Wagner so: Es werde von der Basis nicht verstanden, daß der gleiche Generalsekretär unter drei Landesvorsitzenden arbeite.Eher müsse es umgekehrt sein.Er bedauerte die Absage Kleins, zeigte zugleich aber auch Verständnis dafür: Sein Ziel sei gewesen, Klein auch in die neue Führung einzubinden.Dennoch mache dieser es richtig: Er steige aus, weil die Sache nicht in seine Richtung laufe.Klein werden Ambitionen auf dem Parteivorsitz nachgesagt, doch ist Wagner nicht bereit, den Stab freiwillig an Klein abzugeben.Der wiederum ist auf die Unterstützung Wagners angewiesen. Klein selbst führte für seine Total-Absage zum einen persönliche Gründe an: Nachdem er sich über fünf Jahre für die Partei abgestrampelt habe, wolle er sich nun mehr um seine Familie kümmern.Außerdem wolle er sich beruflich absichern und demnächst in eine High-Tech-Firma einsteigen.Er habe Wagner darüber schon frühzeitig informiert.Zum anderen ließ er durchblicken, daß er aus der anhaltenden Kritik an seinem Führungsstil Konsequenzen ziehe.Ihm liege nicht der integrierende und zuhörende Part, sondern in erster Linie die Rolle des "Einpeitschers", was jedoch von Teilen der Partei nicht akzeptiert werde.Klein wörtlich: "Die Hälfte der Kreisverbände kann mit mir etwas anfangen, die andere empfindet mich als Zumutung." Dennoch will Klein nicht aus der Politik aussteigen: Er werde sein Landtagsmandat behalten und sich bei der Potsdamer CDU engagieren.Ein Comeback schließen weder er noch seine politischen Freunde aus.Vor allem dann, wenn Wagner es nicht schaffen sollte, die CDU bis zu den Landtagswahlen 1999 aus der Talsohle zu führen.Wagner will auch dann seine Kinderarzt-Praxis betreiben, wenn er im Januar zum Parteivorsitzenden gewählt wird.Sein Amt als Fraktionsvorsitzender will er ebenfalls nicht aufgeben.Klein und andere sehen es aber als schwierig an, "wenn Wagner sich beruflich nicht einschränkt".Da kein anderer Kandidat in Sicht ist, gilt Wagners Wahl als sicher.

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