Der Tagesspiegel : Die Chancen nicht vergessen

Claus-Dieter Steyer

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Generalstabsmäßig bereiten die Gegner eines Großflughafens in Schönefeld das Scheitern des Milliardenvorhabens vor dem Bundesverwaltungsgericht vor. Mit zehntausenden Einwänden wollen sie den Bau verhindern oder zumindest so einschränken, dass sie ohne erhebliche Belästigungen in der angestammten Region weiterleben können. Das ist ihr gutes Recht. Doch dabei sollten die Chancen, die das RiesenProjekt gerade dem südlichen Berliner Umland und darüber hinaus eröffnet, nicht gänzlich vertan werden. Die in Aussicht gestellten 25000 Arbeitsplätze auf und im Umfeld des Flughafens sind zwar sicher deutlich zu hoch gerechnet. Erinnert sei nur an die falschen Prognosen für den Lausitzring.

Doch selbst wenn nur die Hälfte der Jobs wirklich entstünde, wäre das für Berlin und Brandenburg kaum hoch genug zu bewerten. Schließlich entzündet sich die Kritik an Hartz IV im Osten doch gerade daran, dass es viel zu wenige Arbeitsplätze gibt. Wenn sich um eine offene Stelle 35 Bewerber streiten, kann auch eine bessere Vermittlung dagegen nichts ausrichten. Da sich dieses Verhältnis auch nach Inkrafttreten der Reformen am 1. Januar 2005 nicht ändert, sollte der Großflughafen nicht von vornherein verdammt werden. Jobs in großer Zahl werden in der Region auf absehbare Zeit nicht geschaffen.

Kritiker des Projekts bestreiten die Notwendigkeit eines neuen Flughafens und verweisen auf die heutigen Passagierzahlen. Aber das mutet etwas kurzsichtig an. Der Triebwerkshersteller Rolls- Royce im nahe gelegenen Dahlewitz braucht dringend interkontinentale Verbindungen. Wenn der Tropenpark in der früheren Cargolifter-Halle in Brand zu dem versprochenen Erfolg wird, wird auch sie die Anziehungskraft der Region für Touristen aus aller Welt erhöhen. Selbst die neue Hotelanlage am Schwielowsee setzt auf Gäste aus Japan, Amerika oder sogar China. Auch die Attraktivität Berlins für Besucher wird noch weiter zunehmen, und dazu kann auch der Flugplatz selbst, ist er einmal fertig, beitragen.

Auch wenn der Standort des neuen Flughafens in der Nachbarschaft der Großstadt und vieler Siedlungen alles andere als ideal ist, kann ausreichender Lärmschutz die Belastungen mindern. Friedhofsstille Gegenden ohne jede Hoffnungen auf Jobs gibt es in Brandenburg dagegen schon zur Genüge.

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