Der Tagesspiegel : Die FDP – „neue Kraft“ und unbekannte Größe

Heinz Lanfermann will die Liberalen trotz ungünstiger Ausgangslage nicht nur in den Landtag, auch in die Regierung führen

Thorsten Metzner

Potsdam - Die „Neue Kraft“, die landauf, landab von den Wahlplakaten lächelt, gehört schon zu den älteren Semestern: Ein weißhaariger Mann in den Mittfünfzigern, mit Schnauzbart, Brille und gutmütigem Blick. So wirbt die FDP für ihren Spitzenkandidaten Heinz Lanfermann, der die Liberalen am 19. September nach fast zehnjähriger Abstinenz zurück in den Landtag führen soll. Sein Handicap: Im Lande selbst ist Lanfermann noch weithin unbekannt. Sein Bekanntheitsgrad liege wohl deutlich unter 20 Prozent, gesteht selbst Manfred Richter, der FDP-Wahlkampfmanager, offen ein. „Wir wollen ihn mit den Plakaten bekannter machen.“

Eins immerhin hat der FDP-Landeschef zweifellos schon geschafft, selbst wenn die Liberalen wieder an der Fünfprozent-Hürde scheitern sollten – die letzte Umfrage sah sie bei vier Prozent. Der 54-Jährige hat den vorher ziemlich desolaten Landesverband zu neuer Geschlossenheit geführt. Zugute kam ihm dabei, dass er im politischen Geschäft seit langem heimisch ist. Von 1988 bis 1994 war der Jurist Abgeordneter im Landtag von Nordrhein-Westfalen, leitete dort etwa den Untersuchungsausschuss zum Geiseldrama von Gladbeck. Eine Erfahrung, die ihn scharf kritisieren ließ, wie einvernehmlich jetzt die Brandenburger Untersuchungsausschüsse zur Chipfabrik und zur LEG-Pleite endeten. In der letzten Kohl-Regierung war Lanfermann Staatssekretär im Bundesjustizministerium, bis er nach dem rot-grünen Wahlsieg 1998 in den Ruhestand versetzt wurde.

Nun, im Spätsommer 2004, ist Lanfermann fast täglich als FDP-Wahlkämpfer im Lande unterwegs. Gestern der Kreis Elbe-Elster, heute die Prignitz, morgen die Stadt Neuruppin – „ich toure durch jeden Kreisverband“. Zwar mache die auf die Stimmung so durchschlagende HartzDebatte den Wahlkampf gerade auch für eine kleine Partei nicht leichter. Doch ergäben sich daraus auch „ungeahnte neue taktische Chancen“, findet Lanfermann: So wollen die Liberalen jetzt offensiv damit werben, dass sie unter Umständen für die Regierungsbildung gebraucht werden – falls durch eine zu starke PDS und den Einzug der DVU die große Koalition keine Mehrheit im Landtag hätte. Die Grünen könnten ja nicht in eine Regierung mit der CDU, formuliert Lanfermann spitz. „Wir aber könnten mit der SPD oder mit der CDU. Und natürlich können wir auch mit beiden.“

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