Der Tagesspiegel : Die Feuerwehr sitzt auf dem Trockenen

Löscharbeiten gehen nur langsam voran, weil Wasser und Schaum fehlen. Auch der Regen half nicht

Jörn Hasselmann

Das Großfeuer in Bernau konnte auch gestern nicht gelöscht werden, die Flammen loderten in der gleichen Intensität wie am Sonnabend, die Qualmwolke zog weiterhin auch über die ganze Stadt Berlin. Die Zahl der Einsatzkräfte wurde von 150 auf 200 erhöht, sagte der Sprecher des Landkreises Barnim, Christian Trill.

Vorwürfe wurden gestern von der Berliner Feuerwehr erhoben. „Das Ausmaß ist heftig unterschätzt worden vom Landkreis“, hieß es in der Leitstelle. „Wenn die so weitermachen, dauert es noch zwei Wochen, bis der Brand gelöscht ist.“ So seien am ersten Tag nur 5000 Liter Schaum eingesetzt worden, viel zu wenig, so die Kritik. Beim Brand eines Altreifenlagers in Berlin-Schmöckwitz im Mai wurden nach Angaben von Feuerwehrchef Broemme allein 60 000 Liter am ersten Tag aufgebraucht – nach zwei Tagen war das Feuer aus. „Der Erfolg gab uns Recht“, sagte Broemme gestern zu dem massiven Einsatz von Schaum und sechs Doppelleitungen für Wasser zum Müggelsee.

Sprecher Christian Trill sagte gestern, dass nach den 5000 Litern am Sonnabend für den Sonntag 12 000 Liter Schaum aus Schwedt und Schwarze Pumpe geholt worden seien. Unklar blieb bis zum Abend, ob die Menge auch eingesetzt werden kann. Denn die Wasserversorgung war schwierig. Erst gestern gegen 15 Uhr – 38 Stunden nach Ausbruch des Feuers – ist eine erste Doppelleitung vom drei Kilometer entfernten Schlossteich Börnicke zum Brandort gelegt worden. Zuvor hatte man sich mit den Hydranten der Bernauer Wasserversorgung beholfen – die viel zu schwachen Druck hat. Die Berliner Feuerwehr schlug vor, durch das Technische Hilfswerk eine feste Leitung aus Metallrohren herzustellen, die noch mehr Wasser liefern und nicht platzen könne. Dies hielt das Lagezentrum in Bernau am gestrigen Abend nicht für notwendig. Ein weiteres Zögern sei nicht zu vertreten, sagte Broemme: „Irgendwann wird die Dauerbelästigung durch den Rauch zur Gefahr.“

Am Abend sprach Trill vorsichtig von „ersten Erfolgen“. So sei das Feuer auf 70 mal 80 Metern mit Schaum und Schutt bedeckt. Weiterhin brenne aber eine 100 mal 200 Meter große Fläche lichterloh. Pech hatte man mit dem Wetter: Der starke Regen am Morgen behinderte das Löschen, da er den Schaumteppich auflöste. Zudem schlug der Regen in der Umgebung die Asche als Schmierfilm nieder, Autofahrer wurden vor Glätte gewarnt. Meterologen glauben, dass die Berliner ab morgen nicht mehr die Nase rümpfen müssen. Der Wind soll sich drehen und den Gestank in Richtung Oder tragen.

Heftige Kritik gab es gestern auch an der starken Überfüllung der Recyclinganlage. Dort liege der Plastikmüll acht Meter hoch, hieß es. Kreissprecher Trill bestätigte, dass es Auflagen des Landesumweltamtes gegen die Betreiberin deswegen gegeben habe, diese jedoch vor dem Verwaltungsgericht geklagt habe. Die Auflagen seien deswegen nicht rechtskräftig. „Der Müll liegt meterhoch über den Mauern, die die Müllberge eigentlich teilen sollten“, kritisierte Broemme. Nun brenne alles, die Mauern und die Wälle ringsherum behinderten jetzt sogar das Löschen, da man nicht mit Planierraupen den Müllberg auseinander reißen könne.

Die Ursache ist unklar. Hinweise auf Brandstiftung liegen nicht vor. Die Feuerwehr hält eine Selbstentzündung durch Faulgase für möglich. Feuerwehrleute berichteten, die massive Kakerlakenplage auf dem Grundstück sei so schlimm, dass die Tiere sogar in die mit Klebeband verschlossene Kleidung krabbelten. Alle Einsatzanzüge werden täglich desinfiziert.

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