Der Tagesspiegel : „Die Frau verließ ihn – damit kam er nicht klar“

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Michael Krüger hatte so gehofft, seinen Freund und ehemaligen Kollegen noch zur Besinnung zu bringen: „Ich habe heute früh im Radio gehört, dass in Waßmannsdorf ein Sportschütze verrückt spielt – da wusste ich sofort, dass es Robert war“.

Krüger setzte sich in Großziethen sofort in sein Auto und fuhr zum Tatort. Dort flehte der 57-Jährige die Polizisten an, ihn mit dem Schützen reden zu lassen. Doch die lehnten ab. „Wir wussten zu diesem Zeitpunkt, dass sich der Schütze in einem dramatischen psychischen Ausnahmezustand befand“, sagte der Polizeipräsident von Frankfurt (Oder), Klaus Kandt: „Eine Kontaktaufnahme, die wir natürlich versucht haben, um ein Blutvergießen zu vermeiden, war nicht möglich – auch nicht für Freunde oder Verwandte.“

Krüger war nach dem ersten Schusswechsel klar, dass es für seinen Freund keinen Ausweg mehr geben würde. „Dabei ist er der beste Freund und zuverlässigste Kollege “, sagte er traurig: „Wir kennen uns schon sehr lange. Ich war oft hier bei ihm in seinem Garten zum Grillen. Seit August letzten Jahres kriselte es in Roberts Ehe. Im Januar hat ihn seine Frau verlassen . Nach über 30 Jahren – damit kam er einfach nicht klar.“ Dabei habe die Frau keinen neuen Partner gehabt, sondern gesagt, sie könne einfach nicht mehr mit ihm zusammenleben.

Er habe Robert M. immer wieder Hilfe angeboten, erzählte Michael Krüger, der ebenso wie der Schütze bei den Wasserwerken arbeitete. Aber dieser habe sich immer mehr verändert, sei immer depressiver geworden. Die ältere Tochter, die bei ihm im Hause lebte, habe daran auch nichts ändern können.

Auch Nachbarn in Waßmannsdorf beschrieben Robert M. gestern als einen ruhigen und freundlichen Menschen. „Niemals hätte ich ihm so etwas zugetraut“, sagte eine Frau: „Er muss einfach in einer total verzweifelten Lage gewesen sein.“

„Heute hat seine jüngere Tochter Geburtstag – vielleicht hat er sich deshalb den 20. April für seine Tat ausgesucht“, sagte Michael Krüger. Er verließ den Tatort, als die Scharfschützen nach dem ersten Versuch der Polizei, das Haus zu stürmen, in Stellung gingen: „Ich möchte nicht dabei sein, wenn Robert stirbt“. Da lebte sein Freund vielleicht schon nicht mehr. das

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