Der Tagesspiegel : Die Gartenschau soll weiter blühen

In knapp zwei Wochen endet die Laga in Rathenow. Das Gelände soll der Stadt erhalten bleiben

Claus-Dieter Steyer

Rathenow - Fast ein halbes Jahr bestimmte die Landesgartenschau (Laga) das Leben in der Kleinstadt Rathenow im Westhavelland. Doch Wehmut über das bevorstehende Ende am 15. Oktober soll nicht aufkommen. Ein derzeit überall verteilter Prospekt weckt die Vorfreude auf das nächste Jahr. Am 28. April 2007 wird das von der Havel romantisch umflossene Laga-Gelände als „Optikpark Rathenow“ wiedereröffnet. Zwar wird es Einschnitte in der Bepflanzung des neun Hektar großen Areals am Schwedendamm und in den Unterhaltungsprogrammen geben, aber zumindest zweimal monatlich verzeichnet der Zeitplan bereits ein Fest oder eine Party. Ein Eintrittspreis von zwei Euro lässt schließlich keine großen Sprünge zu. „Auf jeden Fall aber“, versichert Laga-Geschäftsführer Hans-Jürgen Lemle, „bleiben die wichtigsten Kulissen der Gartenschau erhalten.“

Damit unterscheidet sich Rathenow deutlich vom Vorgänger Eberswalde, das im Jahre 2002 die Veranstaltung auf einem früheren Walzwerksgelände ausrichtete. Nachdem sich der Liedermacher Reinhard Lakomy nach nur einer halben Saison von seinem Vorhaben wieder verabschiedet hatte, in Eberswalde ein dauerhaftes „Traumzauberland“ zu etablieren, gibt es bis heute kein schlüssiges Nachnutzungskonzept. Der amtierende Bürgermeister Lutz Landemann sprach jüngst gar von „Ohnmacht“, die ihm beim Gedanken an das Laga-Gelände beschleiche. Im Stadtparlament werden regelmäßig die hohen Bewirtschaftungskosten kritisiert, denen nur geringe Einnahmen gegenüberstehen.

Das soll in Rathenow nicht passieren. „In das große Mühlengebäude, das jetzt noch die Verwaltung und die Blumenschauen beherbergt, ziehen die Musikschule, ein Jugendzentrum mit vielen Freizeitangeboten und ein Kampfsportklub ein“, sagt Geschäftsführer Lemle. „Der im Zuge der Gartenschau rekonstruierte Bismarckturm mit dem umliegenden Weinberg bleibt ohnehin als touristischer Anziehungspunkt erhalten.“ Das treffe auch auf das herausgeputzte Altstadtviertel rund um die St.-Marien-Andreas-Kirche zu. Vielleicht klappt es sogar irgendwann mit einer Seilbahn zum Bismarckturm.

Rund 17 Millionen Euro kostete die Landesgartenschau, weitere 60 Millionen Euro wurden im Umfeld aus öffentlichen und privaten Kassen investiert. „So viel wäre hier ohne die Laga in den nächsten 50 Jahren nicht verbaut worden“, sagt Lemle. Deshalb sollten Gartenschauen auch künftig nicht nur Leistungen der Gärtner zeigen, sondern genauso der Stadterneuerung dienen.

Bei der Eröffnung am 15. April hatten die Organisatoren auf insgesamt 350 000 Besucher gehofft. Am Ende werden es wohl 480 000 werden, weshalb die Bilanz mit einer „großen schwarzen Null“ abschließe, wie es Pressesprecher Joachim Muus formuliert. Damit liegt Rathenow in der Mitte zwischen der ersten Laga 2000 mit 419 000 Gästen und Eberswalde 2002 mit 592 000 Besuchern. Dabei hatte die Optikerstadt neben ihrer Lage am Rande Brandenburgs und weitab von allen Autobahnen noch mit zusätzlichen Hindernissen zu kämpfen. Während der Fußball- WM herrschte ab 16 Uhr auf dem Gelände Totenstille. Auf dem Weg zum Außenstandort Ribbeck auf der B 5 standen die Besucher wochenlang bis zu einer Stunde im Stau, weil es auf einer Baustelle wegen fehlender Steine aus China nicht voranging. Dennoch machten Berliner rund 40 Prozent aller Besucher aus. Mehr als zwei Drittel reisten mit dem Privatauto an, der Rest nutzte die Bahn. Die meisten der 235 zeitweilig eingestellten Laga-Mitarbeiter müssen in die Arbeitslosigkeit zurückkehren. Nur ein geringer Teil kann auf eine Beschäftigung im neuen Optikpark hoffen.

Die Laga ist noch bis zum 15. Oktober täglich von 9 Uhr bis zum Einbruch der Dämmerung geöffnet. Weitere Infos unter www.laga-rathenow2006.de

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