Der Tagesspiegel : Die große Vogelschau

Zehntausende Kraniche ziehen über Brandenburg. Naturschützer zeigen die besten Beobachtungsplätze

Claus-Dieter Steyer

Gartz - Da sind sie wieder, ziehen in langen Formationen über den Brandenburger Himmel. Zu Tausenden fliegen die Kraniche von ihren Fress- zu den Schlafplätzen und machen dabei durch laute trompetende Rufe auf sich aufmerksam. Überall, wo große Gewässer oder Flüsse die Landschaft bestimmen, zeigen sich die langbeinigen Vögel kurz nach Sonnenaufgang oder in der Dämmerung in großer Zahl. Bis in den November hinein stärken sie sich in Brandenburg, um mit den ersten starken Frösten ihren Flug von Skandinavien in die Winterquartiere auf der iberischen Halbinsel und in Nordafrika fortzusetzen.

Die Vögel, die in Asien als Symbole des Glücks, der Weisheit und der Wachsamkeit gelten, finden hier immer bessere Bedingungen vor – ebenso wie etwa die Wildgänse, die auch in immer größeren Scharen kommen –, schließlich steht ein Drittel der Brandenburger Fläche bereits unter Naturschutz. Und Naturwächter und Vogelexperten veranstalten in diesen Wochen wieder zahlreiche Führungen zu den besten Beobachtungsplätzen.

10 000 bis 15 000 Kraniche rasten derzeit allein im Nationalpark Unteres Odertal zwischen Schwedt und Gartz. In der Frühe ziehen die Vogelschwärme von den Wasserflächen zwischen der Ost- und der Westoder in Polen auf die einige Kilometer entfernten Felder in Deutschland. Hier gibt es Getreidekörner, Insekten, Mäuse und Frösche. Sobald die Abenddämmerung beginnt, machen sich die majestätisch anmutenden Schwärme auf den Rückweg. Im Unterschied zu anderen Gegenden brauchen sich die Menschen hier für gute Sicht nicht auf hohe Türme zu begeben.

Der Oderdeich – beispielsweise vor dem Ortseingang von Gartz an der Bundesstraße 2 – genügt als Standort. Allerdings sollten sich die Menschen sehr leise verhalten und unauffällige Kleidung tragen. Kurz vor Beginn der Dämmerung zeigen sich am Himmel die ersten Formationen. Sie fliegen in rund 80 Metern von West nach Ost über die Köpfe der Beobachter hinweg. Erst nach einer Stunde endet das beeindruckende Spektakel. Helle Töne deuten auf Jungvögel hin. Vielleicht sind sie sogar im Frühjahr im Odertal geschlüpft, denn von den jährlich rund 1500 in Deutschland brütenden Kranichpaaren tun dies 200 bis 300 in Brandenburg. Die Klimaveränderung mit wärmeren Wintern verschafft den Vögeln immer bessere Bedingungen und erspart ihnen die weiten Flüge.

Im Unteren Odertal finden an den Wochenenden bis zum 24. Oktober jeweils freitags, sonnabends und sonntags Führungen mit Naturwächtern statt. Treffpunkt ist immer um 17.30 Uhr in Gartz das Eiscafé am Mühlenteich an der Bundesstraße 2 in Richtung Stettin.

Jederzeit offen steht der Kranichbeobachtungsturm zwischen Freesdorf und Goßmar bei Luckau. Dort geben mittwochs, sonnabends und sonntags Experten bis Mitte November ab 17 Uhr fachkundige Auskünfte. Der Turm ist von der Landstraße zwischen Luckau und Calau gut zu erreichen.

Kraniche fühlen sich auch im Freigelände des Besucherzentrums Blumberger Mühle beim Angermünde wohl. Bis sie wieder fortfliegen, können sich Besucher hier an den Wochenendtagen ab 14 Uhr einer Wanderung zu den Fischteichen anschließen. Ein getarnter Unterstand ermöglicht reizvolle Einblicke in das Vogelleben, am besten mit einem Fernglas.

An die 100 000 Gänse sammeln sich derzeit am Gülper See im Westhavelland. Diese Zahl wird zwar in der Nuthe-Nieplitz-Niederung bei Blankensee und Stangenhagen südlich Berlins nicht erreicht, aber auch dorthin lohnt sich in der Dämmerung ein Abstecher. In Altfriedland lädt der Heimatverein am 13. und 16. Oktober zur Exkursion zum Gänserastplatz. Treffpunkt ist um 17 Uhr am „Langen Haus“.

Weitere Informationen und Termine: www.grossschutzgebiete.brandenburg.de

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