Der Tagesspiegel : Die Kanuten kommen

Paddelnde Touristen gelten im Gastgewerbe als knauserig – zu Unrecht. Neue Broschüre erschienen

Claus-Dieter Steyer

Neuruppin - Kanutouristen werden von vielen Hoteliers und Gastwirten noch immer mit einem abfälligen Klischee bedacht: „Das sind meistens arme Leute“, heißt es in vielen Landesteilen. „Die wollen zwar aufs Wasser, können sich aber nicht einmal die Miete eines Hausbootes leisten.“ Dementsprechend gering fällt die Aufmerksamkeit aus. Schließlich wäre mit Kanufahrern kein großes Geschäft zu machen, weder in Restaurants noch in Hotels und Pensionen. „Das Vorurteil hält sich zwar unvermindert“, sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung Kanutouristik, Lothar Krebs, bei der Vorstellung der neuen Kanubroschüre „Brandenburgs Blauer Norden“. „Aber es stimmt längst nicht mehr.“ Nach einer repräsentativen Befragung geben Kanuten bei ihrem Ausflug im Schnitt 31,54 Euro pro Tag aus. Damit liegen sie nur etwas mehr als vier Euro unter dem Wert, den Radtouristen pro Tag im Land lassen. Die Ausleihe eines Kanus schlägt im Schnitt pro Person und Tag mit elf Euro zu Buche.

Entscheiden sich Kanufahrer für eine mehrtägige Tour, bevorzugen sie laut Umfrage zu 80 Prozent einen Campingplatz. „Das liegt nicht nur an ihrer starken Naturverbundenheit“, sagte Raimund Jennert von der Tourismus-Marketing-Gesellschaft. „Die Hotels haben sich einfach noch nicht ausreichend auf diese wachsende Gästegruppe eingestellt.“ Es mangele oft an sicheren Ein- und Ausstiegsstellen und an Unterstellmöglichkeiten für die Kanus oder Kajaks. Schon eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bootsverleihern und Hotels brächte nach Auffassung Jennerts Reisenden und Gastgewerbe viele Vorteile. Selbst Häuser ohne direkten Wasseranschluss könnten von den Kanutouristen profitieren, wenn der Bootsverleiher seine Gäste an einer vorher festgelegten Stelle am Ufer abholen und sie mit seinem Transporter zu einer guten Unterkunft fahren würde.

Hier steht der Radtourismus in Brandenburg schon ein ganzes Stück besser da. An den Eingängen von mehr als 300 Hotels und Pensionen hängt das Schild „Bett & Bike“, das den Radlern eine freundliche Aufnahme auch nur für eine Nacht, einen abschließbaren Abstellraum, Möglichkeiten für die Trocknung von Kleidung und kleine Reparaturen, Radwanderkarten, Fahrpläne und ein reichhaltiges Frühstück garantieren.

Vielleicht gibt es ja irgendwann auch ein Schild „Bett & Kanu“. Nur selten findet der Tourist kombinierte Angebote für Kanu und Rad. Die neue Broschüre für die Regionen zwischen Berlin und der Mecklenburgischen Seenplatte enthält 15 Tourenvorschläge zwischen 17 und 82 Kilometer Länge, lediglich eine davon weist auf den Einsatz von Fahrrädern hin. Für Kanutouristen auf der Elbe, der Havel, der Oder, dem Rhin und den vielen Seen ist die kostenlose Broschüre aber dennoch ein empfehlenswerter Reisebegleiter. Sie finden hier alle wichtigen Angaben zu Badestellen, Einkaufsmöglichkeiten, Biwakplätzen, Sehenswürdigkeiten und Tourist-Informationen.

„Die Region besitzt ein großes und noch längst nicht ausgereiztes Potenzial“, sagt Barbara Nitsche von der Industrie- und Handelskammer. „Gerade ausländische Gäste können wir damit sehr zahlreich ins Land locken.“

Die Broschüre „Brandenburgs Blauer Norden“ umfasst die Reviere in den Reiseregionen Prignitz, Ruppiner Land, Uckermark, Barnim und Mecklenburgische Kleinseenplatte. Sie ist bei den regionalen Tourismusverbänden erhältlich. Infos unter Tel. 03391/ 65 96 30 oder im Internet: www.ruppiner-reiseland.de. Am kommenden Sonntag gibt es die Broschüre auch beim Kanu-Tag zwischen 10 und 17 Uhr in Rheinsberg. Es gibt geführte Touren und alle Informationen rund ums Paddeln.

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