Der Tagesspiegel : Die Kultur des Feierns

Der 60. VBKI-Ball stand ganz im Zeichen des Orients. Im festlich dekorierten Hotel Intercontinental traf sich Berlins Gesellschaft

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Zuerst wirbelte ein ägyptischer Derwisch über die Tanzfläche des Hotel Intercontinental, später waren es festlich gekleidete Paare, die sich im Walzertakt drehten. „Ägypten – Hochkultur des Orients“ war das Motto des 60. Balls des Verbands der Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Ramzy Ezzeldin Ramzy, ägyptischer Botschafter und Schirmherr des Abends, wünschte sich, der Ball könnte „ein Fenster“ in sein Land sein und einen kleinen Eindruck der ägyptischen Kultur vermitteln. Den Eröffnungswalzer im aufwendig geschmückten Ballsaal tanzte VBKI-Präsident Klaus von der Heyde mit Botschaftertochter Nevine Ramzy, der Schirmherr mit Kathrin von der Heyde, der Tochter des Präsidenten – eine Verbundenheitsgeste.

Die Begeisterung für das Partnerland war Klaus von der Heyde anzumerken. Er hat gerade eine Woche im ägyptischen Soma Bay verbracht. Besonders beeindruckt haben ihn „das Braun der Berge, das wunderbar blaue Rote Meer.“ Eine bessere Werbung für das Reiseziel Ägypten konnte sich Botschafter Ramzy kaum wünschen. „2009 kamen über eine Million Deutsche“, sagte er. „Hoffentlich werden es noch mehr.“

Abgeordnetenhauspräsident Walter Momper, seit Jahrzehnten treuer VBKI-Ballgast, war selbst noch nie in Ägypten, seine Tochter hingegen fährt dort gern zum Tauchen hin. Doch Momper schwärmt für die ägyptische Küche. Auf dem Ball konnte er sich an (fast) 1001 orentalischen Speisen erfreuen: gefüllte Weinblätter, rote Bete mit geschmortem Rindfleisch, Pfannküchlein mit Hähnchenfüllung oder Wachtelspießchen. Zum Mitternachtssnack standen 15 000 Sushi und 2000 Currywürste bereit – und 2000 Flaschen Champagner.

Unter den 2900 Gästen war auch der ehemalige Finanzsenator Thilo Sarrazin. „Dies ist der einzige Ball, zu dem ich gehe“, sagte Sarrazin. Einladungen zum Bundespresseball sage er jedes Jahr ab: „Das ist ein Jahrmarkt der Eitelkeiten.“ Beim VBKI hingegen käme „die Berliner Gesellschaft“, das sei sehr angenehm. „Ich kann ja nicht immer nur wie ein Berserker durch die Gegend rennen. Man will ja auch mal Mensch sein.“ In diesem Jahr sei er erstmals nicht Ehrengast, sondern habe sich seine Karte selbst gekauft – „das gehört sich so, wenn man nicht mehr Senator ist.“

Auch andere regelmäßige Teilnehmer loben den Ball für seine entspannte, familiäre Atmosphäre. „Man kennt sich“, sagte Jörg Woltmann, Chef der Königlichen Porzellan-Manufactur (KPM). Zwar sind der Dresscode elegant und die Gäste prominent – auch der französische Botschafter Bernard de Montferrand, sein britischer Amtskollege Sir Michael Anthony Arthur, der brandenburgische Wirtschaftsminister Ralf Christoffers, IHK-Präsident Eric Schweitzer und DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben kamen. Doch anders als bei anderen Bällen gibt es hier kein Gedränge, kein Blitzlichtgewitter. Kein Wunder, dass er über die Jahre immer beliebter geworden ist: „Es hat sich herumgesprochen, dass es hier schön ist“, sagt KPM-Chef Woltmann.

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