Der Tagesspiegel : Die Kunst der Zuversicht

Wird Potsdam Europas Kulturhauptstadt 2010? Am Donnerstag werden die deutschen Kandidaten bekanntgegeben

Dirk Becker

Potsdam - Noch hat Moritz van Dülmen, der Projektleiter der Kulturhauptstadt Potsdam 2010 GmbH, gute Laune. Er nennt die Gerüchte „amüsant“, die in den letzten Tagen kursierten und wissen wollten, die brandenburgische Landeshauptstadt sei in der Konkurrenz um den deutschen Vorschlag für die Kulturhauptstadt Europas 2010 bereits ausgeschieden. Am morgigen Donnerstag um 19 Uhr will die Kultusministerkonferenz im Berliner Jüdischen Museum das Ergebnis der Experten-Jury bekannt geben, die aus den zehn deutschen Bewerberstädten zwei bis vier für die zweite Bewerbungssstufe auswählen sollte (siehe Kasten).

Angeblich, so die Gerüchte, wolle die Jury nur eine ostdeutsche Stadt vorschlagen und habe sich dabei für das sächsische Görlitz entschieden. Dabei galt laut einer repräsentativen Umfrage des Politikmagazins „Cicero“ im Februar noch Potsdam als eindeutiger Favorit unter den Bewerbern. 27 Prozent von bundesweit 1006 Befragten hatten sich für die Stadt ausgesprochen.

Aber selbst wenn Potsdam morgen nicht zu den Genannten gehören sollte, sind für van Dülmen „noch nicht alle Messen gesungen“. Die endgültige Entscheidung, welche Städte der EU vorgeschlagen werden, liege schließlich beim Bundesrat. Und auch sonst gebe es zu Resignation keinen Grund. Die Effekte, die ein Jahr Bewerbungsarbeit vor allem auf die Kulturarbeit der Stadt hatte, seien mehr als nachhaltig. Für den Fall einer Absage werde der Vorstand in den nächsten Tagen über die weitere Arbeit der GmbH beraten. „Wir werden nicht innerhalb von 24 Stunden unseren Fahnen zusammenrollen und dann verschwinden“, so van Dülmen. Bestimmte Projekte, wie die im Mai geplante internationale Medientagung, würden weitergeführt. Das Jahresbudget der GmbH von 600 000 Euro solle auch 2005 zur Verfügung stehen .

In der Potsdamer Stadtverwaltung möchte man sich kurz vor der Entscheidung nicht zum Thema äußern. „Zu Gerüchten sagen wir nichts.“ Auf dem Spiel stehen immerhin auch 35 Millionen Euro, die laut Bewerbungsschrift von 2006 bis 2001 für Baumaßnahmen und Programm der Kulturhauptstadt Potsdam ausgegeben werden sollen, finanziert von der Stadt selbst, aber auch vom Land und dem Bund. Hinzu kämen Einnahmen zum Beispiel durch höhere Touristenzahlen.

Für Potsdams freie Kulturszene ist die Bewerbung ohnedies schon jetzt ein Gewinn. „ Kultur ist in der Politik wieder in den Vordergrund getreten“, erklärt Laurent Dubost von der „Fabrik“, dem Theater für zeitgenössischen Tanz und neuer Musik in der Schiffbauergasse gleich neben dem Neubau des Hans-Otto-Theaters. Ob Potsdam weiterkomme oder nicht – was bisher erreicht worden sei, werde auch weiterhin positive Auswirkungen auf die Kultur in der Stadt haben, sagt Dubost. Er selbst sehe außerdem gute Aussichten, das Potsdam es schafft.

Auch Hendrik Röder, Geschäftsführer des Brandenburgischen Literaturbüros, hofft für Potsdams Bewerbung das Beste. Er hatte die Potsdamer Stadtverwaltung zuletzt heftig kritisiert, als die Vergabe des ersten Potsdamer Literaturstipendiums an den Schriftsteller Andreas Maier an Ungeschick, Missverständnissen und internen Konflikten scheiterte (wir berichteten). „Aber das Versagen der Verwaltung darf nicht die Bewerbung in Haft nehmen.“ Dass eine private Initiative Maier nun doch nach Potsdam geholt habe, zeige schließlich, dass die Stadt diesen Titel verdient hat.

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