Der Tagesspiegel : Die letzten Aufnahmen ihrer Art

Bernau - Eigentlich ist er ein Perfektionist. Der Fotograf Leo Seidel hat Berliner Bauten in kunstvoll illuminierten Nachtbildern festgehalten und diese in seinem Bildband „Berlin – Die Farben der Nacht“ veröffentlicht. Für zwei weitere opulente Fotobücher hat er sich der Schlösser und Kirchen Brandenburgs mit handwerklich makellosen, bis ins letzte Detail ausgeklügelten Bildern angenommen. Jetzt zeigt der Fotograf in der Galerie Bernau, dass er auch anders kann.

„Polaroid-Works“ heißt die Ausstellung, für die der 31-Jährige Brandenburg-Impressionen und Stillleben zusammengestellt hat, die stilistisch kaum weiter von seinen bisherigen Arbeiten entfernt sein könnten. Statt perfekter Hochglanzästhetik sieht man Bilder bekannter Orte, die von Schlieren überzogen sind. Fleckig und grau wirken sie, wie Aufnahmen aus dem 19. Jahrhundert, die lange in feuchten Kellern gelegen haben.

Die Technik passt zu den historischen Motiven, gibt ihnen eine noch mehr der Gegenwart entrückte Aura, als sie die alten Bauten ohnehin schon haben. Erzeugt hat Seidel den Eindruck mit alten Polaroid-665-Filmen, deren Verfallsdatum abgelaufen ist. Beim Entwickeln beließ er einen Teil der Chemikalien auf den Negativen, um den Abzügen eine altmodische Anmutung zu geben. Eine aussterbende Kunst, die Seidel nur fortsetzen kann, bis seine Filmreste aufgebraucht sind: Das Material wird seit drei Jahren nicht mehr hergestellt. lvt

Leo Seidel: Polaroid-Works, Ausstellung bis 14. Juni, Galerie Bernau, Bürgermeisterstraße 4, Bernau, Tel. 03338 8068, dienstags bis freitags 10-18 Uhr, samstags 10-16 Uhr. Internet: www.leoseidel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar