Der Tagesspiegel : Die nackte Enttäuschung

Den Mönchen im Franziskushof wurden die Messgewänder gestohlen

Claus-Dieter Steyer

Zehdenick - Nicht nur der Ort des Einbruchs war ungewöhnlich, sondern auch das Diebesgut: Im Franziskushof in der Einöde bei Zehdenick ließen Einbrecher zehn Priester-Messgewänder mitgehen. Die weiß, golden, lila und grün glänzenden Umhänge kosten je zwischen 300 und 800 Euro, so dass der Bruderschaft ein Schaden von rund 5000 Euro entstand. Die Diebe ließen im Schrank des Vorraums der Krypta nur zwei rote Messgewänder zurück. Möglicherweise passten diese nicht mehr in ihre Koffer oder die anderen mitgebrachten Behältnisse.

„Wir sind natürlich sehr geschockt über den Verlust“, sagt Bruder Thaddäus, der den Franziskushof vor elf Jahren in einem heruntergekommenen Bauerngehöft gründete. „Aber wir stellen keine Mutmaßungen über die Täter an, sondern vertrauen der Polizei.“ Neben dem eigentlichen materiellen Schaden beschäftigt die Bewohner des Franziskushofes die Dreistigkeit der Diebe.

Ihr Hof steht absichtlich zu jeder Zeit offen, damit Bedürftige immer eintreten können. Derzeit leben hier rund 25 Menschen – Obdachlose, Arbeitslose, entlassene Strafgefangene und durch verschiedene Umstände aus der Bahn geworfene Personen. Sie kümmern sich um Lämmer, Schweine, Gänse, Hühner und Rinder oder arbeiten im Trockenblumenstudio. Alle auf dem Hof richten sich nach dem Vorbild des Heiligen Franziskus: „Was der Mensch braucht zum Leben, soll er sich mit seiner Hände Arbeit schaffen." Die Wurst und das Fleisch und die Blumengestecke verkaufen Bruder Thaddäus und seine Helfer auf dem Hof und auf Wochenmärkten, wobei sie den größten Umsatz auf dem Berliner Wittenbergplatz gegenüber vom KaDeWe machen.

Die hochwertigen, in Handarbeit bestickten Messgewänder werden an ganz bestimmten kirchlichen Feiertagen und zu wichtigen Anlässen sowie zur Fastenzeit getragen. Danach richtet sich die Farbe. Hergestellt werden die Kleidungsstücke in süddeutschen Klöstern.

Nun hoffen die bestohlenen Mitglieder der Ökumenischen Franziskanischen Bruderschaft, dass die Gewänder irgendwo zum Kauf angeboten und die Diebe so überführt werden. Deshalb verfolgen sie jetzt auch genau die Versteigerungen im Internetauktionshaus ebay. Bisher aber haben sie ihre Schätze dort noch nicht wieder entdeckt.

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