Der Tagesspiegel : Die PDS vergreist und schrumpft im Rekordtempo

Interne Statistiken belegen dramatischen Mitgliederschwund

Michael Mara

Potsdam. Die Krise der PDS trifft auch ihre bisherige Hochburg Brandenburg. Mitgliederschwund und Vergreisung beschleunigen sich dramatisch. Nach dem Tagesspiegel vorliegenden internen Statistiken der PDS hat die Partei im vergangenen Jahr jedes zehnte Mitglied verloren. Die Mitgliederzahl ging um 1286 auf 11 597 zurück. Auffallend ist die hohe Zahl der Austritte, die mit 446 angegeben wird. PDS-Schatzmeister Klaus Kalex bestätigte gegenüber dem Tagesspiegel, dass die Austrittswelle vor allem auf die Auseinandersetzungen um den politischen Kurs der Partei sowie auf den Rücktritt Gregor Gysis vom Posten des Berliner Wirtschaftssenators zurückzuführen ist.

Aber damit nicht genug: Die stark überalterte PDS leidet auch in ihrer einstigen Hochburg Brandenburg zunehmend darunter, dass die Mitglieder sterben, der nötige Nachwuchs aber ausbleibt. 524 Verstorbenen und 398 gestrichenen „Karteileichen“ stehen 2002 nur 155 Neueintritte gegenüber. Das ganze Dilemma wird deutlich, wenn man sich die Altersstruktur der märkischen PDS genauer ansieht: Weniger als 1,7 Prozent aller Mitglieder sind bis 30 Jahre alt. Zum Vergleich: In SPD und CDU haben die jungen Hoffnungsträger einen Anteil zwischen sechs und sieben Prozent.

Andererseits sind rund 72 Prozent der PDS-Mitglieder in Brandenburg älter als 60 Jahre. Bei der SPD hingegen bilden die über 60-Jährigen mit 21,5 und bei der CDU mit 29 Prozent eine Minderheit. Dort stellen die 40- bis 60-Jährigen mit 56 beziehungsweise 50 Prozent die zahlenmäßig stärksten Gruppen. Wirklich rekordverdächtig: Das Durchschnittsalter der PDS-Genossen beträgt derzeit 67 Jahre – und wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen.

SPD und CDU sind zwar auch nicht gerade „Jungbrunnen“, doch liegt das Durchschnittsalter in diesen Parteien bei 50 Jahren.

Für die PDS ergeben sich aus der Überalterung viele Probleme: So wird es für sie schwierig, bei den Kommunalwahlen im Herbst flächendeckend Bewerber aufzubieten. Dadurch wird ihre „gesellschaftliche Verankerung“ weiter geschwächt. Vor allem in ländlichen Gebieten und Randregionen ist die PDS schon jetzt schwach vertreten. Zwar ist sie insgesamt noch mitgliederstärkste Partei, doch gibt es viele Kreise, wo SPD oder CDU bereits mehr Mitglieder haben. Auch wird der dramatische Mitgliederschwund aufgrund der Überalterung anhalten, was ihre Mobilisierungskraft, die früher als eine ihrer Stärken galt, weiter einschränkt.

Die Sozialisten haben zwar immer wieder „dringenden Handlungsbedarf“ konstatiert, doch brachten Werbekampagnen bisher keinen Erfolg, im Gegenteil. Die Zahl der bis 30-jährigen Mitglieder ist seit 1994 von 489 auf 193 gesunken. Große Hoffnungen setzen viele märkische Genossen deshalb jetzt auf ihren Spitzenmann Lothar Bisky, der die Partei als künftiger Bundesvorsitzender mit einer „Politik für die kleinen Leute“ wieder glaubwürdiger und damit attraktiver machen soll.

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