Der Tagesspiegel : Die phantastischen Tropen von Potsdam

In der Buga-Halle entstand eine Biosphäre mit Berg, Tal und Tee- und Kokapflanze

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Potsdam. Von dieser Vorhersehbarkeit kann der Wetterdienst nur träumen: Pünktlich jede Stunde donnert, blitzt und regnet es in der Biosphären-Halle, alles programmierte Inszenierung. Der künstliche Tropenwald steht auf dem Potsdamer Buga-Gelände, am 13. September wird er eröffnet. Gestern erläuterte Landschaftsarchitekt Martin Diekmann aus Hannover sein Konzept.

„Wir sind hier kein Botanischer Garten, wo das Anfassen verboten ist“, sagt er und streichelt einen Mangrovenstamm. „Die Besucher sollen das Erlebnis Tropenwelt hautnah spüren und mit allen Sinnen die Schönheit dieser Flora kennen lernen.“ Dazu dürften sie auch schon mal ein Blatt abrupfen und zwischen den Fingern zerreiben. Diekmanns Wald hat kein Vorbild in der Natur. Ein bisschen Südamerika, ein bisschen Asien, ein bisschen Afrika sind in der schwülwarmen Tropenluft versammelt.

Die Beschaffung der Blumen und Bäume war nicht immer problemlos, gibt Diekmann zu. Aber: „Keine Pflanze kommt aus dem Urwald.“ Die meisten hat Diekmann in Florida entdeckt – in einem Gewächshaus. Allein der Kauf und der Transport der Pflanzen habe eine Million Euro gekostet. Sie sind schon seit langem in Potsdam, um sich von den Strapazen des Transports zu erholen. „Die Pflanzen erlitten durch den Stress auf dem Transport einen erheblichen Schock“, sagt Volker Härtig, Chef des Entwicklungsträgers Bornstedter Feld, der hier bis zur Eröffnung noch Hausherr ist. Ein Jahr lang seien die Gewächse in belgischen Pflanzenhäusern auf ihre Einwurzelung in Potsdam vorbereitet worden.

„Wie Noah die Tiere in der Arche versammelte, haben wir hier eine pflanzliche Arche Noah konzipiert“, sagt Diekmann. Auch Koka-Pflanzen sind dabei: „Aber ich sage nicht, wo sie stehen.“ Das zur Flora. Die Fauna kommt dagegen vom Band. Überall in der Halle sind Lautsprecher versteckt und liefern neben Donnergrollen auch Vogel- und Affenschreien, eine mitunter nervtötende Geräuschkulisse.

Überhaupt müssen Besucher eine gewisse Kondition für die Naturerlebniswelt mitbringen, denn die Luft ist mit Wasserdampf gesättigt, Nebelmaschinen erzeugen einen weißen Dunst. Und auch die Temperaturen sind tropisch. Es erfordert durchaus Disziplin, unter diesen Extrembedingungen die zahlreichen Erläuterungen an den Experimentier- und Schaustationen zu lesen. In dem tropischen Tal mit seinen Lichtungen erfährt der Wissensdurstige an allen Ecken und Enden Interessantes und Lehrreiches. Am Rande des Waldes steht gar eine „Schamanenhütte“. Dort erfährt der Tropentouri, dass im Regenwald auch Pflanzen wachsen, die Linderung bei Krankheit und körperlicher Pein versprechen. Auf Schautafeln macht die Biosphäre sogar mit Mavutsini bekannt, einem Fruchtbarkeitsgott aus Amazonien. Eine Miniaturfigur zeigt eindrucksvoll, dass der – welches Kraut ihm auch immer helfen mag – keine Erektionsstörungen hat. Rätsel Regenwald.

Kein Rätsel ist die Versorgungsfrage: Gleich zwei Restaurants gibt es in der Biosphärenhalle, das kleinere „Camp des Fürsten“, das wie ein geräumiges Zelt gestaltet ist, oder das große „Luncheon“, in dem es mit seinen Kristalllüstern etwas weniger rustikal zugeht. 32 0000 Interessierte werden pro Jahr erwartet, pro Tag durchschnittlich 2100. Günter Schenke

Ab 13. September täglich 9 – 20 Uhr geöffnet, Eintritt 9,50 Euro, ermäßigt acht Euro, Familien 28 Euro (2 Erwachsene mit bis zu drei Kindern). Großes Eröffnungfest am 14. und 15. September ab zehn Uhr. Weitere Informationen unter www.biosphaere-potsdam.de

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