Der Tagesspiegel : Die Potsdam-Connection

Die Brandenburger haben die PDS übernommen: Mit Bisky, Enkelmann und Kutzmutz sitzen gleich drei im Vorstand

Thorsten Metzner

Tatsächlich – „es ist eine Übermacht von Brandenburg“, räumt Dagmar Enkelmann, die frischgewählte Vizechefin der PDS, ein. Aber den Parteitagsdelegierten sei angesichts der Krise der PDS die Erneuerung der Parteiführung wichtiger als alles andere gewesen. Und der neue Parteivorsitzende Lothar Bisky habe Wert auf ein Team gelegt, „dem er vertraut“. So hatte es der Fraktionschef der PDS im Potsdamer Landtag, der sich erst nach langem Zögern zu seiner Kandidatur durchgerungen hatte, vor seiner Wahl an alle Delegierten geschrieben.

Es ist also kein Zufall, dass in Biskys Wunschmannschaft auffällig viele Köpfe aus dem eigenen Landesverband vertreten sind, in dem schon seit Jahren „Reformer“ wie er selbst – als unangefochtene Autorität – das Sagen haben. Bundes-Schatzmeister Uwe Hobler, der seit Jahren die PDS-Kassen hütet, ist ohnehin Brandenburger. Und dass Bisky den früheren Potsdamer Bundestagsabgeordneten Rolf Kutzmutz zum Bundesgeschäftsführer machte, verwundert im Landesverband niemanden: Dieser sei ein „alter Hase", ein Pragmatiker, habe Führungsqualitäten bewiesen, heißt es. Zuletzt war Kutzmutz, der 1994 trotz bekannt gewordener Stasi-Kontakte fast die Oberbürgermeisterwahl in Potsdam gewann, wirtschaftspolitischer Sprecher und parlamentarischer Geschäftsführer der PDS-Bundestagsfraktion: Nach der Niederlage bei der Bundestagswahl 2002 wickelte er geräuscharm den Fraktions-Apparat von 150 Mitarbeitern ab.

Auch Dagmar Enkelmann, die einstige „Miss Bundestag“, jetzige umweltpolitische Sprecherin der PDS-Landtagsfraktion und nun eine von drei Stellvertretern Biskys, ist von ihm um die Kandidatur gebeten worden. „Ich konnte es ihm nicht abschlagen und wollte nicht, dass die Partei kaputt geht“, erklärt die 47-Jährige. In der Partei munkelt man freilich, dass Enkelmanns Aufstieg auch schon mit der bevorstehenden Landtagswahl 2004 zusammenhängt, für die sie als mögliche PDS-Spitzenkandidatin gehandelt wird. Die Partei-Strategen versprechen sich bessere Chancen für die in den Umfragen bislang bei rund 17 Prozent stagnierende PDS, wenn sie eine intelligente, scharfzüngige Frau gegen den SPD-Regierungschef Matthias Platzeck und den CDU-Spitzenkandidaten Jörg Schönbohm in den Ring schicken: „Sonst wird es ein Personenduell: Platzeck oder Schönbohm, bei dem Dritte keine Chance haben.“ Doch auch PDS-Landeschef Ralf Christoffers, der seine Stellung gefestigt hat, hat Ambitionen. Wer das Rennen machen wird, gilt als offen. Wenige Monate vor der Kommunalwahl will die Brandenburger PDS ohnehin Personalquerelen vermeiden: Deshalb wird der alte, neue Bundesvorsitzende Bisky entgegen früheren Absichten den Fraktionsvorsitz auch nicht kurzfristig abgeben.

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