Der Tagesspiegel : Die Stars kommen, Studio-Belegschaft bangt trotzdem Nach dem Verkauf herrscht Unruhe in Babelsberg. Gestern stellten sich die Investoren vor

Sabine Schicketanz

Potsdam – Die neuen Eigentümer wollen Studio Babelsberg mit internationalen Kinofilmen wieder auf Erfolgskurs bringen. Die Ausgangsposition dafür sei mit den im August startenden Drehs für die Hollywoodfilme „Mission Impossible III" und „Aeon Flux" gut, sagte Investor Carl Woebcken gestern nach ersten Gesprächen mit dem Studio-Management, dem Betriebsrat und der Brandenburger Landesregierung. „Babelsberg ist ein Mythos, aber es ist auch ein Wirtschaftsunternehmen", so Woebcken. Solle der Mythos überleben, müsse das Unternehmen auf „solide Füße" gestellt werden.

Woebcken hatte Studio Babelsberg vergangene Woche mit dem Münchner Christoph Fisser überraschend für den symbolischen Preis von einem Euro vom französischen Konzern Vivendi gekauft. Dabei handele es sich nicht nur um ein geschäftliches Engagement, betonte Woebcken, sondern um eine Herzensangelegenheit. Um Studio Babelsberg „fit für die Zukunft" zu machen, habe Vivendi eine Anschubfinanzierung von 18 Millionen Euro zugesagt; damit sei nicht die Übernahme von Altschulden gemeint. Das Geld reiche, um Babelsberg in den nächsten zwei bis drei Jahren neu auszurichten.

Dazu gehört für die neuen Eigentümer, die selbst das Management übernehmen wollen, mehr Fernsehproduktionen an den Standort zu holen. Hauptstrategie blieben aber die internationalen Kinofilme, betonte Woebcken. Zudem seien „Anpassungen im Kostenbereich" und ein „geringfügiger" Personalabbau geplant. Für Investitionen habe man zwei bis drei Millionen Euro kalkuliert, so Woebcken, denn Gebäude und Infrastruktur seien in einem „hervorragenden Zustand". In zwölf Monaten solle das Studio eine ausgeglichene Bilanz vorweisen: „Wir vertrauen darauf, dass wir etwas Fortune haben." Profitabel wirtschaften wollen die neuen Eigentümer zudem durch Kooperationen. Mit Partnern aus der TV-Branche führe man Gespräche.

Fisser habe als Betreiber eines Studiogeländes in München für „fast alle namhaften deutschen Produzenten" gearbeitet. Woebcken war nach eigenen Angaben für die TV-Loonland AG und für eine Sony-Tochter in New York tätig und ist seit zweieinhalb Jahren Programmgeschäftsführer der Berliner Animation Film GmbH. Er hatte zudem in den 90er Jahren die Pirnaer Strömungsmaschinen GmbH übernommen. Sie ging Pleite.

Studio-Betriebsratschef Jan-Peter Schmarje, der vor einer Zerschlagung des Standortes durch die neuen Eigentümer gewarnt hatte, bewertete die ersten Gespräche positiv. Einen Abbau von 20 bis 30 der 220 festen Arbeitsplätze hätte es auch gegeben, wenn die Mitbieter Studio Hamburg oder das Babelsberger Management um Thierry Potok das Studio übernommen hätten, so Schmarje. Allerdings habe bisher jeder Geschäftsführer angekündigt, mehr TV-Produktionen nach Babelsberg zu holen. Doch das sei schwierig. Der stellvertretende Betriebsratschef Daniel Klappenbach mag nur von Zweckoptimismus sprechen: „Wenn die 18 Millionen von Videndi alle sind, ist nichts mehr da.“

Nach Angaben von Potok haben die Investoren mit dem Kauf auch die Verpflichtungen aus Vivendi-Verträgen mit Treuhand-Nachfolger BvS und der Brandenburger Landesinvestitionsbank übernommen. Danach muss Babelsberg bis 2007 als Studiobetrieb mit 170 Arbeitsplätzen erhalten werden. Die Eigentümer wollten sich dazu nicht äußern. Brandenburgs Medienbeauftragter Erhart Thomas sprach sich dafür aus, Thierry Potok als Geschäftsführer zu halten. Thomas bewertete die Vorhaben der Investoren als „solide Chance" für das Studio: „Wir haben es hier nicht mit Abenteurern zu tun."

Henning Molfenter, der als Produktionschef die internationalen Filme nach Babelsberg holt, sagte, er werde die Produktionen „Aeon Flux" und „Mission Impossible III" begleiten. Doch danach läuft der Vertrag des mit Mannes mit den internationalen Kontakten aus.

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