Der Tagesspiegel : Die süßen Alleskönner kommen wieder

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Von Claus-Dieter Steyer

Werder/Havel. Erdbeeren satt versprechen die brandenburgischen Obstbauern für diesen Sommer. Für die süßen Früchte war die Witterung der vergangenen Woche nahezu ideal, verlautete gestern vom Landesverband Gartenbau. Er eröffnet heute im nördlich Berlins gelegenen Vehlefanz die diesjährige Erntesaison.

Landesweit wachsen Erdbeeren auf rund 250 Hektar Fläche. Das macht Brandenburg zwar noch nicht zum Erdbeerland, aber gerade rund um Werder sind die Anbaugebiete seit der Wende von Jahr zu Jahr gewachsen. 18 Unternehmen verdienen hier an den roten Beeren. Die meisten laden Besucher ein, sich selbst mit dem Korb in die Reihen zu begeben. Am Ausgang muss bezahlt werden, aber was zwischendurch im Mund landete, kann niemand überprüfen. Deshalb gibt es auch keinen großen Unterschied im Preis zwischen Selbstpflücken und Kauf am Kiosk oder am Feldrand. Um die drei Euro pro Kilogramm werden in diesem Jahr verlangt.

200 der 250 Hektar großen Brandenburger Erdbeerfläche zählt der Gartenbauverband zum „kontrollierten integrierten Anbau". „Regelmäßige und sorgfältige Kontrolle auf Rückstände und Schadstoffe“, „Einsatz von biologischer Schädlingsbekämpfung“ und „sachgerechte Lagerung“, lauten die wichtigsten Schlagwörter. Auf der Internetseite www.natuerlich-brandenburg.de tragen die entsprechenden Betriebe das Qualitätszeichen IP (Integrierte Produktion).

Weniger froh blicken die Obstbauern auf die Kirschbäume. Auf 20 bis 30 Prozent schätzt der Chef des Obstgutes Marquardt bei Potsdam, Manfred Kleinert, den Ernteausfall gegenüber dem Vorjahr. „Fröste im Frühjahr und Hagelschäden machen uns zu schaffen“, meint Kleinert. Außerdem seien zahlreiche Bäume von der Kirschfruchtfliege betroffen. Deren Maden zerstören die Früchte.

Gerd Neumann vom gleichnamigen Erntegarten in Potsdam-Bornim sieht noch eine andere Ursache für den Ertragsrückgang. „Uns fehlen einfach die Bienenvölker. Notfalls müssen wir selbst noch zum Imker werden“, sagt er. Angesichts des warmen Wetters rechnet er mit einem Erntebeginn bei Kirschen schon am kommenden Wochenende. Ein Kilo selbstgeernteter Kirschen kostet bei Neumann zwischen 3 und 3,50 Euro. Je mehr die Besucher vom Hof tragen, desto höher fallen die Rabatte aus. Ab einer Erntemenge von zehn Kilogramm fällt der Kilo-Preis auf 2,30 Euro. Auf viel Andrang stellen sich die Obstbauern am 15. und 16. Juni ein. Dann steigt in Brandenburg die traditionelle Landpartie, bei der mehr als 200 Höfe ihre Tore für Besucher öffnen.

Süßkirschen werden auf 800 Hektar angebaut, Sauerkirschen auf 500 Hektar Fläche. Spitzenreiter bleiben die Äpfel (1900 Hektar). Eine Prognose über die Ernte der einzelnen Sorten wollen die Fachleute erst in einigen Tagen abgeben. Bislang deutet sich ein normaler Ertrag an. Pflaumenbäume kommen zusammen auf 220 Hektar. Kaum ins Gewicht fallen die Anbauflächen von Stachelbeeren (23 Hektar), Johannisbeeren (13 Hektar) sowie von Brom- und Himbeeren (zusammen zehn Hektar).

Mitte Juli gibt es rund um Beelitz wieder viele blaue Zähne. Dann startet die dritte Heidelbeerernte auf 10 Hektar im Beelitzer Stadtforst. Mit 20 Tonnen Ernte rechnet der Vorsitzende des Spargelvereins, Manfred Schmidt. Mehrere Anbauer des weißen Edelgemüses haben sich inzwischen mit den Blaubeeren ein zweites Standbein geschaffen. Im Vorjahr betrug die Ernte nur vier Tonnen. „Wir hoffen auf zahlreiche Selbstpflücker im Blaubeerland“, sagt Schmidt. Nach der Arbeit zwischen den Sträuchern könne sich jedermann in einem neuen Café entspannen – natürlich mit Blaubeerkuchen.

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