Der Tagesspiegel : Die Tropeninsel beginnt zu wachsen

Baustart für den Freizeitpark in der Cargolifter-Halle: Bis zum Herbst sollen zwei Seen, sechs Dörfer und eine Dschungel-Landschaft fertig sein

Claus-Dieter Steyer

Brand. Der Traum von einer tropischen Insel eine Autostunde südlich Berlins nimmt Gestalt an. Am gestrigen Freitag wurde in der ursprünglich für riesige Luftschiffe gebauten Cargolifter-Halle in Brand der Grundstein für den Erlebnispark „Tropical Island“gelegt. Der Insolvenzverwalter des im Sommer 2002 in die Pleite gerutschten Luftschiffentwicklers, Rolf-Dieter Mönning, übergab die Schlüssel an die malaysisch-britische Unternehmensgruppe Tanjong/Au. Sie will bis Ende des Jahres die mit 310 Meter Länge, 210 Meter Breite und 107 Meter Höhe größte freitragende Halle der Welt in eine künstliche Tropenwelt mit Dschungel, Lagunen, Schwimmbecken, Sandstränden und Gastronomieplätzen für 3000 Personen verwandeln. 17 Millionen Euro haben die Investoren für die Halle gezahlt.

Schon am kommenden Montag sollen die Umbauarbeiten im Drei-Schicht-Betrieb beginnen. Ein genauer Eröffnungstermin wurde noch nicht genannt. Zwei Hotels mit jeweils 500 Betten sollen nun entgegen den ursprünglichen Plänen erst in einigen Jahren errichtet werden. Gebaut aber werden sechs kleine Dörfer, die die Kultur und Speisen aus Malaysia, Bali, Polynesien, dem Kongo und Thailand vorstellen sollen. Die Wassertemperatur in dem 3900 Quadratmeter großen See wird bei 30 Grad Celsius liegen. Noch zwei Grad wärmer ist das Wasser der etwas kleineren „Lagune“, wo auch Rutschen, Strömungskanäle und Whirlpools angelegt werden. Im großen See liegen zwei Inseln, die sich abends in eine große Bühne für ein Brasilien- Programm verwandeln. Wer nicht ins Wasser springen will, kann sich auf einen rund 800 Meter langen Erlebnispfad durch einen Dschungel begeben. 3000 Bäume und Sträucher, die alle aus den Niederlanden kommen, werden hier gepflanzt.

„Diesmal habe ich ein gutes Gefühl“, bekannte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). „Ich habe den Unternehmer Colin Au als einen absoluten Tourismusfachmann mit internationaler Erfahrung kennen gelernt. Diesem Mann können wir vertrauen.“ Tropical Island könne die Attraktivität des Landkreises Dahme-Spree, ja ganz Brandenburgs wesentlich erhöhen. Das versprach auch der Vorstandschef des börsennotierten Mischkonzerns Tanjong, Khoo Eng Choo, der mit Colin Au die 70 Millionen Euro für den Freizeitpark aufbringt. „Die perfekte tropische Insel liegt am Jahresende nicht in den Tropen, sondern im Herzen Brandenburgs“, verspricht Khoo. „Die Besucher werden sich auf dem 6,6 Hektar großen Gelände inmitten von 14 Meter hohen Bäumen wie in einer natürlichen Umgebung fühlen.“ In der Halle herrsche an 365 Tagen im Jahr ideales tropisches Wetter. Vor allem im Winter werde der Tourismus von dem neuen Ziel profitieren. Die Betreiber der Halle rühren bereits die Werbetrommel bei Busunternehmern und Fluglinien. Vor allem Gesellschaften, die in Schönefeld landen, werden gezielt angesprochen.

Das wird auch nötig sein, denn aus Berlin und Brandenburg allein werden wohl kaum die jährlich erwarteten 2,7 Millionen Besucher kommen. „16 Millionen Menschen könnten Brand in drei Stunden Fahrtzeit erreichen. Rechnen wir Polen, Hannover und Hamburg noch dazu, kommen wir leicht auf über 20 Millionen“, meinte Investor Khoo. „Die meisten können sich einen Urlaub in den Tropen nicht leisten. Wir aber machen das Erlebnis für wenig Geld möglich.“ 500 Menschen sollen in „Tropical Island“ eine Arbeit finden.

Das Besucherzentrum auf dem Gelände ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Es bietet Rundgänge über die Baustelle an. Erwachsene zahlen 5 Euro Eintritt, Kinder 4 Euro. Zu erreichen über die Autobahn A 13 Richtung Dresden, Ausfahrt Staarkow, oder mit der Regionalbahn nach Brand.

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