Der Tagesspiegel : Die Wespen sind da – und haben schlechte Laune

In diesem Jahr sind die Tiere besonders aggressiv. Sie stechen auch ohne Grund

Tanja Buntrock

Auf dem Golfplatz in Kallin halfen am Wochenende nur noch Gläser voll mit Limonade. Die Mitarbeiter des Clubhauses stellten sie als Fallen auf für die unzähligen Wespen, die auf dem Areal herumschwirrten: Schwupps, fielen die Tiere, gelockt von dem Zucker, in die Gläser. Doch mit der Folge, dass nun offenbar noch mehr Tiere angelockt wurden. In den Brandenburger und Berliner Kneipen verzichteten viele freiwillig auf ihr Bier im Freien: Die aggressiven Wespen ließen ihnen keine entspannte Sekunde.

Das Besondere an der Wespenzeit in diesem Jahr ist, dass wir zwar nicht mit mehr Wespen als sonst zu kämpfen haben, aber dass sie aggressiver sind, sagt Jürgen Spethmann von der „Berliner Domäne für Bienenschwarmfang und Wespenbeseitigung“. Dieses Jahr herrschten die so genannten „späten Wespen“ („Deutsche Wespe“, „Gemeine Wespe“) vor. Sie seien die beiden aggressivsten der insgesamt sieben Arten, die wir in der Stadt haben. „Die späten Wespen hatten durch das beständige Wetter im April und Mai einen guten Start“, sagt der Experte. Im Gegensatz zu den anderen Arten, die sich gar nicht für den Menschen interessieren, gehen die beiden aggressiven Arten auch grundlos auf den Menschen los. Deshalb sei es nicht in jedem Fall sinnvoll, still zu verharren und sich nicht zu bewegen. „Es gibt keine eindeutige Verhaltensregel. Auch keinen Sprühschutz wie beispielsweise gegen Mücken.“ Geplagt seien vor allem Fachverkäufer in Bäckereien. „Gerade jetzt Anfang August schwirren die Wespen um den zuckrigen Kuchen herum“, sagt Spethmann. Einige Läden versuchen sich mit Leuchtstoffröhren zu schützen. In der Regel wüssten die Mitarbeiter jedoch, dass die Tierchen sich voll und ganz auf den Kuchen konzentrieren. Doch man solle darauf achten, sich „vorsichtig zu bewegen und vor allem beim Trinken aufzupassen, um keine Wespe zu verschlucken“.

Experten raten unbedingt, einen Schädlingsbekämpfer zu konsultieren, um ein Nest zu beseitigen. „Wer selbst rangeht riskiert Stiche und bleibt erfolglos“, sagt Fachmann David Gajek von der Schädlingsbekämpfung Reinhard Gajek. Neulich habe ein Kunde zunächst einen Eigenversuch gestartet: Er wollte sein Nest mit einem in Petroleum getränkten Lappen ausräuchern. „Dabei hat er fast seine ganze Laube abgefackelt“, sagt Gajek. Wenn die Leute zwei oder drei Wespen in ihrer Nähe sehen, dann unterschätzten sie meistens, „dass in einem Nest bis zu 5000 Wespen schwirren können“. Da helfe es auch nichts, das Nest mit Gips zuzuschmieren oder mit Schaumstoff zuzusprühen. Die Tiere haben scharfe Zähnchen: Sie nagen sich dort nach ein bis zwei Tagen wieder hindurch.

Schädlingsbekämpfer benutzen ein spezielles Insektizid, ein Pulver, das die Tiere beim Einfliegen wie Pollen tief in das Nest hineintragen und mit dem sie auch die Königinnen, die weit hinten die Eier legen, ausrotten. Zwischen 50 und 100 Euro kostet es, einen Fachmann ans Werk zu lassen. Aufatmen können vor allem Allergiker, bei denen Stiche Atemnot und Schwindel erzeugen können, ab September – da neigt sich die Wespenzeit wieder dem Ende.

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