Diplomatische Probleme : Luftwaffe darf wieder über russisches Territorium fliegen

Die deutsche Luftwaffe darf wieder über russisches Territorium fliegen, um Soldaten und Nachschub zum Stützpunkt der Bundeswehr in das usbekische Termes zu bringen. In den letzten Tagen hatte es Probleme mit der russischen Luftaufsicht gegeben.

Friedrich Kuhn[ddp]

Wahn/BerlinEin Bundeswehr-Airbus war nach eintägiger Verspätung zum zweiten Mal vom Luftwaffenstützpunkt Köln-Wahn mit 200 Soldaten und Ausrüstung an Bord in Richtung Usbekistan gestartet. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte, es habe lediglich "administrative Abstimmungsprobleme" gegeben. Für die Verzögerung gebe es "keinen politischen Hintergrund. Diplomatische Kreise sprachen demgegenüber von "russischen Sticheleien" im Zusammenhang mit den Reibereien zwischen Berlin und Moskau wegen der Überflugrechte für die zivile Frachtlinie "Lufthansa Cargo".

Die russische Luftaufsicht hatte am Mittwoch den Versorgungsflug der Luftwaffe für den Einsatz in Afghanistan gestoppt, weil für diesen Tag keine Überfluggenehmigung für den russischen Luftraum vorgelegen habe. Es habe nur eine Genehmigung ausschließlich für Dienstag gegeben, argumentierten die Russen. Die deutsche Luftwaffe musste diesen Flug aber annullieren, weil am Zielort im usbekischen Termes ein Sandsturm eine Landung unmöglich gemacht hatte. Der Flug war um 24 Stunden verschoben worden.

Überfluggenehmigung eigentlich Routine

Termes ist für die Bundeswehr das Drehkreuz für die Truppentransporte und den Nachschub für den Afghanistaneinsatz. Von dort werden die Soldaten und der Nachschub mit Transallmaschinen zum Hindukusch weiter geflogen. Das Verteidigungsministerium in Berlin hatte sich über das russische Vorgehen befremdet gezeigt. Da die Erteilung für den Überflug über russisches Territorium immer Routine sei, wäre ein Überfliegen wohl auch ohne die spezielle Genehmigung für Mittwoch eine Frage des guten Willens gewesen, hieß es. Die russische Luftaufsicht hatte schließlich am Mittwochabend eine neu beantragte Überfluggenehmigung für heute erteilt. Die Maschine war am Mittwoch zu ihrem Abflugort in Wahn zurückgekehrt.

Aus dem Einsatzführungskommando in Potsdam erfuhr die Nachrichtenagentur ddp, dass es bisher beim Überfliegen russischen Luftraums "noch nie" Probleme gegeben habe. Die Versorgungsflüge zweimal in der Woche seien "absolute Routine". Die Überfluggenehmigung sei nach der Beantragung am Vortag oft erst erteilt worden, wenn der Airbus schon in der Luft war. Das sei bisher unproblematisch gewesen.

Streit zwischen Russland und Lufthansa

Moskau hatte zuvor schon "Lufthansa Cargo" mit Beginn des Winterflugplans die Überfluggenehmigung entzogen. Die Russen verlangten von der Frachtlinie, dass sie künftig ihr Asien-Frachtdrehkreuz von Astana in die sibirische Stadt Krasnojarsk verlegen soll. Die Lufthansa verlangt aber, dass der Flughafen von Krasnojarsk modernisiert werden müsste. Erst nach Intervention der Bundesregierung hat Moskau vorerst bis Februar die Überflugrechte wieder zugesagt.