Discounter-Skandal : "Frau Z. ist mit allen Wassern gewaschen"

Weitaus mehr Handelsketten als bislang bekannt sollen systematisch ihre Mitarbeiter bespitzeln. Neben den bereits in die Schlagzeilen geratenen Discountern überwachen offenbar auch die Supermarktketten Penny, Netto, Norma und Plus ihre Beschäftigen mit Kameras und Detektiven.

Überwachung nutzungfrist bis 23.4.08
"Stern": Noch mehr Spitzelei. -Foto: Laif

HamburgDie gesetzeswidrige Überwachung von Mitarbeitern im Einzelhandel ist nach einem "Stern"-Bericht bei fast allen Handelsketten an der Tagesordnung. Das Magazin schreibt in der neuen Ausgabe unter Berufung auf 150 ihm vorliegende Protokolle, auch in Filialen der Discounter Penny, Netto und Norma sowie Rewe, Tegut, Hagebau oder Famila seien Mitarbeiter bespitzelt worden. Der Fall Lidl ist offenbar nur ein Beispiel von vielen. Der "Stern" hatte zuvor die Bespitzelungs-Fälle bei Lidl aufgedeckt und später auch von ähnlichen Praktiken bei Edeka und Plus berichtet.

Die Protokolle zeigen, dass die Detektive permanent gegen Gesetze verstoßen haben. Das heimliche Ausspähen von Mitarbeitern sei nur bei begründetem Verdacht einer Straftat erlaubt, schreibt der "Stern". Die Protokolle beweisen aber, dass wahllos bespitzelt wurde: "Private Beziehungen, Liebeskummer, Scheidungen, Alkoholprobleme, Krankheiten, arbeitslose Verwandte - für alles interessieren sich die Detektive."

Frühere Arbeitgeber und Krankheiten wurden ausspioniert

Das Magazin zitiert ausführlich aus den neuen Protokollen, so etwa über eine Penny-Markt-Mitarbeiterin: "Frau Z. ist mit allen Wassern gewaschen, was aus ihrer zurückliegenden Tätigkeit zu schließen ist. Frau Z. war Sekretärin beim KGB." Über eine andere Penny-Angestellte heißt es: "Frau A. kommt aus Bayern und ist sehr rustikal im Umgang. Sie ist sehr wach und abgeklärt und sollte intensiver beleuchtet werden." Die Krankheit eines Plus-Mitarbeiters wurde ebenfalls genau dokumentiert: "Herr N. ist ein starker Raucher. Weiter fielen seine stark zitternden Hände sofort auf. Der sehr hohe Nikotinbedarf und die zitternden Hände weisen auf ein Krankheitsbild hin, was für ein Unternehmen auf Dauer untragbar ist."

Die genannten Unternehmen dementieren laut "Stern" in den meisten Fällen die Überwachungen nicht. Die Einzelhändler betonten, dass privates Ausspionieren nicht erwünscht gewesen sei. Die Beobachtungen hätten sich einzig gegen Ladendiebstähle richten sollen. Die ältesten der jetzt veröffentlichten Protokolle stammen aus dem Jahr 2003, die jüngsten vom Dezember 2007. (kj/dpa)