Der Tagesspiegel : Diskret am Main

Ein Frankfurter Drei-Sterne-Koch, sein Küchenatelier – und sein erstaunliches Hotel. Es hat nur eine einzige Suite

Bernd Matthies

Nichts deutet von außen darauf hin, dass hinter der Bürohausfassade das wohl exklusivste Hotel Frankfurts steckt. Auch die Gegend, das von Gewerbegebieten dominierte Fessenheim, entspricht nicht unbedingt den Erwartungen an eine exklusive Umgebung. Und allenfalls Spezialisten wissen, dass hier Juan Amador, der für seine avantgardistischen Kompositionen berühmte Drei-SterneKoch, auch ein Küchenatelier betreibt. Hotel, nun ja, das mag ohnehin ein wenig hoch gegriffen sein, denn das Penthouse besteht aus exakt einer einzigen Suite – aber die hat es in sich, schon deshalb, weil kaum irgendwo sonst die Frankfurter Skyline so melodramatisch im Sonnenuntergang leuchtet.

Die Grundidee ist einfach. Amador zielt nicht auf Gäste, die die Attraktionen der Mainstadt zu Fuß erkunden wollen, denn das wäre von hier draußen fast unmöglich. Seine Gäste erhalten ein perfekt eingerichtetes Heim auf Zeit am Stadtrand – und dazu den Service, auf Wunsch überall hingebracht zu werden. Denn zum Preis von 650 Euro pro Nacht gehört auch ein Maserati Quattroporte mitsamt Chauffeur. Angesichts des berühmten Kochs liegt es nahe, dass sein Restaurant im nicht allzu weit entfernten Langen das Hauptziel des Luxuswagens sein wird; angemessene Hotelbetten gibt es dort nicht. Aber auch das „Tasca“, die Wiesbadener Dependance Amadors käme in Betracht, jenes auch schon besternte Bistro, in dem er weiterhin seine größten Küchenhits kochen lässt. Nur ein paar Minuten entfernt in Fechenheim liegt schließlich der hippe „Cocoon Club“ mit dem „Silk“, einem weiteren hochbewerteten Sterne-Restaurant.

Dabei könnte die Suite mit der plakativen Nummer 001-001 leicht zu kurz kommen. Der Weg führt durch ein karges Treppenhaus mit Fahrstuhl in den vierten Stock. Eine Rezeption oder andere hoteltypische Einrichtungen gibt es nicht, denn hinter der Tür beginnt sofort der Wohnbereich. Ziel der Inneneinrichter Sabine Mühlbauer und Thomas Tritsch war es, mit warmen Farben und dunklem Holz eine Balance zwischen coolem Loft-Stil und behaglichem Zuhause zu finden. Blickfang sind zwei Originalplastiken von Jörg Immendorff. Die Möbel wurden eigens für die Suite angefertigt. Im Bad dominiert Naturstein um die freistehende Wanne und den großen separaten Duschbereich. Allein die Dachterrasse hat eine Größe von 80 Quadratmetern, der Whirlpool steht noch nicht, ist aber für 2009 versprochen.

Ein Stockwerk tiefer liegt das Atelier, in dem Amador seine Küche weiterentwickelt und regelmäßig Kochkurse gibt. Sollte dort nichts los sein, muss der Gast der Suite trotzdem nicht hungern. Denn der Kühlschrank enthält ein standesgemäßes Frühstück mit Joselito-Schinken, Staud-Marmelade, hausgebackenem Brot und anderen edlen Zutaten. Extravagantere Wünsche lassen sich aus dem gut bestückten Weinklimaschrank erfüllen. Für ruhigere Stunden liegt eine Auswahl kulinarischer Bücher und Zeitschriften bereit, und auf Wunsch und Vorbestellung sind auch Entspannungs– oder Fitness-Massagen möglich. Wer auf Statushotels mit Halle, Präzisionsservice und historischem Flair besteht, wird sich dennoch eher unwohl fühlen – die Suite 001-001 ist ganz auf diskrete Genießer ausgerichtet.

Pro Tag 650 Euro inklusive Frühstück, einer Flasche Champagner und Shuttle- Service. Ferdinand-Porsche-Straße 13, 60386 Frankfurt-Fechenheim; Telefon: 069 / 40 89 93 43, www.amador-suite.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben