Diskussion : Vordenker mit Wir-Gefühl

Auftritt Katalonien: Wissenschaftler, Politiker und Schriftsteller warnen vor der Buchmesse in Frankfurt vor einem europäischen Provinzialismus.

Katalonien
Katalonien ist Gastland der Buchmesse. -Foto: dpa

Frankfurt/MainEuropa könne nur dann eine starke Einheit werden, wenn sich seine Regionen ihrer Rolle innerhalb des Ganzen bewusst seien. Deren Bedeutung und ihre Identität in Europa stand im Mittelpunkt eines internationalen Symposiums am Wochenende im Frankfurter Römer. Unter dem Titel "Für ein offenes Europa. Europäische Gesellschaften auf dem Weg zu neuen Identitäten" erörterten Intellektuelle aus mehreren Ländern auch die Rolle Kataloniens, das auf der weltgrößten Bücherschau vom 10. bis 14. Oktober Ehrengast ist.

Der Präsident der deutschen Sektion der Schriftstellervereinigung Pen, Johano Strasser, verurteilte dabei die "Überbetonung des Separierens". "So wichtig es ist, die einzelnen Kulturen in einen Dialog zu bringen, so groß ist auch die Gefahr eines Provinzialismus", sagte er. "Kulturelle Identitätspolitik ist immer eine zweischneidige Angelegenheit."

Die Würzburger Politikprofessorin Gisela Müller-Brandeck-Bocquet sagte, das regionale Element sei inzwischen in Europa akzeptiert und gehöre zur Normalität. Aber die Regionen müssten sich darüber bewusst sein, dass sie "ihre Authentizität nur in einem großen Rahmen halten" könnten. Sie plädierte für eine Stärkung des Wir-Gefühls in Europa und sprach sich gegen enges Provinz-Denken aus. Der Generalsekretär des Österreichischen Pen-Clubs, der Autor Helmut Stefan Milletich, kritisierte ein "lineares Denken: Hier die Guten, dort die Bösen".

"Wir Katalanen sind Europäer"

Für die Stärkung der Regionen plädierte der ehemalige katalanische Präsident und frühere Oberbürgermeister von Barcelona, Pasqual Maragall. Man müsse "das Europa der Nationen" voranbringen. Europa sei die Lösung für die Probleme Kataloniens. "Wir Katalanen sind Europäer und deshalb sind wir auch nach Frankfurt gekommen."

Die wirtschaftsstärkste Region Spaniens mit dem Zentrum Barcelona und einer eigenständigen Sprache versteht sich nach einem im vergangenen Jahr verabschiedeten Autonomiestatut als "Nation". Die Katalanische Kultur ist in diesem Jahr Gastland der Buchmesse. Die katalanische Wirtschaftswissenschaftlerin Muriel Casals bezeichnete Europa als ein Orchester, in dem "jedes einzelne Instrument seine Bedeutung" habe. Nach ihrer Ansicht bringen aber "mittelgroße Einheiten die größte Effizienz innerhalb des Ganzen". Veranstalter der Tagung waren die Buchmesse, das katalanische Kulturinstitut Ramon Llull und der Pen Deutschland. (mit dpa)