Documenta : 113 stellen aus

Lange wurden die ausstellenden Künster auf der Documenta 12 in Kassel wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Drei Tage vor der offiziellen Eröffnung ist es nun raus.

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Beitrag des österreichischen Künstlers Peter Friedl mit dem Titel "The Zoo Story".Foto: dpa

KasselDrei Tage vor der offiziellen Eröffnung der Documenta 12 hat Ausstellungsleiter Roger Buergel das Geheimnis gelüftet: Die Liste der 113 teilnehmenden Künstler ist seit heute offiziell. Die meisten von ihnen sind wenig bekannt. Sie zeigen in Kassel an mehreren Standorten über 500 Werke, die am Nachmittag für Journalisten erstmals zugänglich waren. Die Weltkunstausstellung in Kassel findet alle fünf Jahre statt und dauert 100 Tage. Im zwölften Jahr werden 650.000 Besucher erwartet.

 Gelüftet wurde auch das Geheimnis um den prominentesten Teilnehmer der Documenta 12, dem spanischen Star-Koch Ferran Adrià. Da es unmöglich gewesen sei, seine Küche nach Kassel zu verlegen, erklärte Buergel, habe man kurzerhand sein Restaurant bei Barcelona zu einem Documenta-Standort erklärt. 100 Tage lang stünde in "elBulli" ein Tisch für Documenta-Besucher bereit. Die Auswahl erfolge "nach dem bewährten Modell der kuratorischen Willkür": Die Gäste werden von der künstlerischen Leitung der Documenta ausgewählt.

Noack: "Kommen lohnt sich"

Erstmals gab es am Donnerstag den 415 Seiten starken Katalog zu kaufen und ein "Bilderbuch" ohne Text, in dem Künstler die Arbeiten ihrer Kollegen dokumentieren. Die Ausstellung werde sich im Laufe der 100 Tage kontinuierlich verändern, betonte Kuratorin Ruth Noack. "Es lohnt sich also, mehrmals zu kommen."

 Roger Buergel forderte Besucher und Presse auf, "das Moment der Unentscheidbarkeit, das für viele so schwer auszuhalten ist" als ein zentrales Gestaltungsmerkmal der Documenta 12 zu akzeptieren. Fragen nach den Kriterien seiner Auswahl der Künstler beantworte er nicht: "Das ist schwer auf einen Begriff zu bringen." Er habe schlichtweg eine gute Ausstellung machen wollen. Leitmotive waren die Themen Moderne, Leben, Bildung und Migration.

Documenta soll "neue Wahrnehmungen ermöglichen"

Fünf Künstler aus verschiedenen Kontinenten präsentierten sich vor weit über 2700 Journalisten auf der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz. Die US-amerikanische Konzept-Künstlerin Mary Kelly berichtete von ihrem "Schock", als sie den ihr zugewiesenen Ausstellungsraum sah, der komplett pink gestrichen war. "Ich hatte einen Anfall." Doch dann habe sie begonnen, mit dieser Vorgabe zu arbeiten und sich unter anderem dafür entschieden, Bilder von Babys zu zeigen.

Der palästinensischen Künstlerin Ahlam Shibli, deren Arbeiten in einem jordanischen Flüchtlingslager entstanden sind, geht es um das Thema Heimat, ebenso wie Romuald Hazoumé aus Afrika, der Masken aus Benzinkanistern und Gießkannen bastelt. Der in Chile geborene und in Australien lebende Juan Davila unterstrich die Bedeutung der lateinamerikanischen Kultur für die Kulturgeschichte. Die in Frankreich lebende Argentinierin Alejandra Riera hofft, dass die Documenta "neue Wahrnehmungen ermöglicht". (mit dpa)