Döberitzer Heide : Das Urrind soll die Landschaft retten

Im Gebiet der Sielmann-Stiftung dienen Wisente als natürliche Rasenmäher. Bald sollen sie gemeinsam mit Pferden die gesamte Heide bevölkern, um sie zu erhalten.

Claus-Dieter Steyer
Wisent Foto: ddp
Im Schaugehege der Döberitzer Heide sind bereits die ersten Wisente unterwegs. -Foto: ddp

ElstalJede öffentliche Fütterung der Wisente in der Döberitzer Heide an der Stadtgrenze zu Spandau wird zum großen Spektakel. Sobald sich der Mann mit dem großen Eimer blicken lässt, gerät die aus neun Tieren bestehende Herde in große Aufregung. Die bis zu 3,30 Meter langen und zwei Meter hohen Tiere, die schon in der letzten Eiszeit vom Menschen gejagt wurden, erheben sich von ihren geschützten Ruheplätzen und traben flott zur Beobachtungsbrücke. Dort können Besucher die stattlichen Wisente aus nächster Nähe beobachten und auch selbst eine Futterrübe oder ein Stück Kraftfutter hinabwerfen. Ganz enthusiastische Gäste treten zwar auch direkt vor den Elektrozaun, um vor allem das im Sommer geborene Fohlen zu fotografieren. Aber da schreitet der Tierpfleger ein und warnt, der Bulle verhalte sich bei der Verteidigung seiner Herde oft unberechenbar.

Täglich um 10.30 und um 14.30 Uhr werden die Wisente von Montag bis Freitag im Schaugehege des Naturschutzgebietes der Heinz-Sielmann-Stiftung gefüttert. Und im benachbarten Terrain gleichfalls die Przewalski-Urpferde und die Rothirsche. Sonnabends und sonntags beginnt das Ereignis um 11 Uhr.

Die südlich der Bundesstraße 5 liegende Döberitzer Heide soll sich allerdings nicht in einen großen öffentlichen Wildpark wie in der Schorfheide oder bei Baruth verwandeln. Die Stiftung des 2006 verstorbenen Tierfilmers Heinz Sielmann will vielmehr mit Hilfe der großen Tiere die rund 3500 Hektar große Heide an sich erhalten, nachdem deren mehr als 100 Jahre lange militärische Nutzung 1992 endete. Nur so kann der besondere Reichtum an Pflanzen und Tieren gesichert werden. Ohne Eingreifen des Menschen würde sich die Heide rasch in einen ganz normalen Kiefernwald verwandeln. Bestes Beispiel ist das umstrittene Bombodrom in der Kyritz- Ruppiner Heide bei Wittstock. Seit dem Ende der Bombenabwürfe und der Schießübungen russischer Truppen verdrängen dort stattliche Bäume die Heide.

„Wisente beißen die Jungbäume ab und schaffen so Lichtungen für Gräser und Kräuter, die nach ihrem Geschmack sind“, sagt der Präsident des Landesumweltamtes Matthias Freude. Das wiederum locke andere Tiere an. Deshalb sollen bald mehrere Dutzend Wisente zusammen mit Pferden und Rotwild die Heide bevölkern. Eine Gefahr für Spaziergänger bestehe nicht. Die Wisente würden trotz ihrer hohen Zahl kaum zu sehen sein. Außerdem verhindern Zäune ein Ausbrechen der „natürlichen Rasenmäher“ auf Wanderwege.

Wie gut Wisente die Heide schützen können, zeigt die Entwicklung des Schaugeheges. Es gibt hier kaum junge Bäume und die wenigen alten Exemplare müssen mit schweren Baumstümpfen und schweren Balken geschützt werden. „Sie spielen aber dennoch so lange an dem Haufen herum, bis sie den Stamm erreichen“, erzählt der Tierpfleger während der Fütterung. „Irgendwann hält dieser das ständige Anrennen nicht mehr aus und fällt.“

Auch im bayrischen Rothaargebirge sollen Wisente demnächst in freier Wildbahn ausgesetzt werden. Heute leben weltweit noch 3500 Exemplare der „europäischen Bisons“ – in Zoos und in Freiheit. 1921 galten sie in Europa als ausgerottet.

Das Schaugehege der Heinz-Sielmann- Stiftung ist bis Ende März täglich von 10 bis 16 Uhr, und von April bis September von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Abzweig von der B 5 auf der Strecke Spandau-Wustermark ist ausgeschildert. Auskünfte gibt es unter Telefon 033234/248 90 und im Internet unter www.sielmann-stiftung.de

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