Der Tagesspiegel : Dominikanerkloster Prenzlau: Der Korpsgeist gedieh unter der Pickelhaube

Helmut Caspar

"Zwischen Krieg und Frieden - Militär und Gesellschaft in Brandenburg-Preußen" heißt eine Ausstellung, die am Beispiel der Garnisonsstadt Prenzlau dem Verhältnis zwischen Preußen und seinem Militär nachspürt. Zu sehen ist sie bis 31. Oktober im Dominikanerkloster, dem Sitz des Kulturhistorischen Museums Prenzlau.

Unter Kreuzgewölben wurden Uniformen und Waffen ausgestellt, Ansichten von Kasernen und Festungen, natürlich auch Bildnisse von Heerführern und einfachen Soldaten, die in Prenzlau, einer der ältesten Garnisonsstädte in Brandenburg, Dienst taten. Deutlich wird, dass das vom Großen Kurfürsten nach dem Dreißigjährigen Krieg geschaffene "stehende Heer" nicht nur ein sehr effektives Instrument zur Durchsetzung von Machtansprüchen war, sondern auch wichtige Funktionen beim Ausbau des Beamtenstaates und seiner Herrschaftsinstrumente hatte. Indem die Hohenzollern große Teile der Bevölkerung unter Waffen hielten, hatten sie ihre Untertanen fest im Griff. Unter Drill und militärischer Kontrolle gehaltene Landeskinder muckten nicht so schnell auf. Die zwangsrekrutierten Soldaten sollten ihre Vorgesetzten mehr fürchten als den Feind, und wer auszubrechen versuchte und als Deserteur geschnappt wurde, dem drohten Spießrutenlaufen und der Galgen. Nur in Krisenzeiten wurde auf die Exekution verzichtet. Der in Kadettenanstalten und Kasernen entwickelte typisch preußische Korpsgeist gehörte zu den Stützen der Monarchie. Die Ausstellung unterstreicht die Abhängigkeit der Stadt und ihrer Bevölkerung vom Militär, die Verquickung des Zivilen und Militärischen, die am Beispiel von Kriegervereinen und Feiern unter wehenden Fahnen und mit viel Trommelwirbel demonstriert wird.

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